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Prävention von Antirheumatika-bedingten Ulzera

r -- Hawkey CJ, Karrasch JA, Szczepañski et al. Omeprazole compared with misoprostol for ulcers associated with nonsteriodal antiinflammatory drugs. N Engl J Med 1998 (12. März); 338: 727-34 [Link]
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infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 4
Datum der Ausgabe: April 1998

Studienziele
Die Langzeittherapie mit nicht-steroidalen Antirheumatika führt häufig zu gastrointestinalen Problemen. In zwei Doppelblindstudien wurde untersucht, ob weniger gastroduodenale Ulzera auftreten, wenn gleichzeitig mit Antirheumatika säurehemmende Medikamente verabreicht werden. In einer Studie wurde Omeprazol (Antra®) mit Ranitidin (z.B. Zantic®), in der anderen Studie Omeprazol mit Misoprostol (Cytotec®) verglichen.

Methoden
In beide Studien wurden Personen aufgenommen, die eine kontinuierliche Antirheumatikabehandlung benötigten und bei denen gastroskopisch entweder Ulzera oder mehr als 10 Schleimhauterosionen festgestellt wurden. Die säurehemmende Behandlung bestand in Omeprazol (20 mg oder 40 mg/Tag), oder Ranitidin (2mal 150 mg/Tag) in der einen Studie bzw. Misoprostol (4mal 200 mg/Tag) in der anderen Studie, je für 4 Wochen. Zeigte die Gastroskopie danach infomed-screen / April 1998 31 noch immer Ulzera oder mehr als 5 Schleimhauterosionen, wurde die Behandlung während weiteren 4 Wochen fortgesetzt.
Nach Abheilung der Läsionen wurde zur Prophylaxe für 6 Monate täglich 20 mg Omeprazol oder 150 mg Ranitidin bzw. 2mal 200 mg Misoprostol verabreicht. Dann wurde erneut gastroskopiert. Aus der Vergleichsstudie mit Ranitidin konnten die therapeutischen Resultate von 535 Personen, die prophylaktischen von 425 Personen ausgewertet werden. Die entsprechenden Zahlen in der Misoprostol- Vergleichsstudie sind: Therapie von 921, Prophylaxe von 725 Personen.

Ergebnisse
In der Ranitidinstudie waren nach 8 Wochen mit 20 mg Omeprazol 80%, mit 40 mg Omeprazol 79% und mit Ranitidin 63% der Behandelten geheilt. Nebenwirkungen traten in dieser Studie in allen Gruppen gleich häufig auf. Unter der Prophylaxe blieben 72% der Omeprazolgruppe und 59% der Ranitidingruppe frei von Läsionen.
In der Misoprostolstudie waren nach 8 Wochen mit 20 mg Omeprazol 76%, mit 40 mg Omeprazol 75 % und mit Misoprostol 71% geheilt. Während der Prophylaxe blieben 61% der Omeprazolgruppe und 48% der Misoprostolgruppe in Remission. Unter Misoprostol waren häufiger Nebenwirkungen zu verzeichnen.

Schlussfolgerungen
Antirheumatikabedingte gastroduodenale Läsionen lassen sich mit Omeprazol und Misoprostol ähnlich gut behandeln. Ranitidin ist offenbar etwas weniger wirksam. In der anschliessenden Prophylaxe war Omeprazol wirksamer als Misoprostol und Ranitidin. (Beide Studien waren von der Firma Astra finanziert.)

Diese Studien zeigen, dass peptische Läsionen trotz Einnahme von nicht-steroidalen Entzündungshemmern zur Abheilung gebracht und verhütet werden können. Das Studiendesign ist praxisfremd: Ulkuspatienten mit Helicobacterbefall sollten mittels Tripeltherapie behandelt werden. Der Surrogat-Endpunkt entspricht nicht dem klinisch relevanten Endpunkt (Ulkusperforation, Blutung). Zur Verhinderung einer einzigen solchen Komplikation müssen mit Misoprostol 263 Patienten behandelt werden.1 Auch das überlegene Omeprazol kann nicht zur allgemeinen Prophylaxe empfohlen werden.

Max Giger

1 Silverstein FE, Graham DY, Senior JR et al. Misoprostol reduces serious gastrointestinal complications in patients with rheumatoid arthritis receiving nonsteroidal anti-inflammatory drugs. A randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Ann Intern Med 1995;123: 241-9.

 

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