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Kollagenosen nicht Folge von Brustimplantaten

k -- Nyrén O, Yin L, Josefsson S et al. Risk of connective tissue disease and related disorders among women with breast implants: a nation-wide retrospective study in Sweden. BMJ 1998 (7. Februar) 316: 417-22 [Link]
Kommentiert von: Ivo Büchler
infomed screen Jahrgang 2 (1998) , Nummer 4
Datum der Ausgabe: April 1998

Studienziele
Die Implantation von Prothesen zur Brustvergrösserung gab Anlass zu mehreren Einzelberichten, die auf einen Zusammenhang zwischen den Silikonprothesen und der Entwicklung weichteilrheumatischer und bindegewebiger Erkrankungen deuteten. Bis jetzt konnte keine umfassende epidemiologische Studie aufzeigen, dass Silikonprothesen tatsächlich einen Risikofaktor darstellen. Die vorliegende schwedische Kohortenstudie versuchte diese Antwort zu geben.

Methoden
7‘442 Frauen (Implantatgruppe), denen von 1965 bis 1993 entweder im Rahmen rekonstruktiver Chirurgie oder aus kosmetischen Gründen eine Brustprothese implantiert wurde, konnten in die Studie aufgenommen werden. 3‘353 Frauen, bei denen ein chirurgischer Eingriff zur Brustverkleinerung vorgenommen wurde, bildeten die Kontrollgruppe. Implantat- und Kontrollgruppe wurden 8 bis 9 Jahre lang überwacht. Für beide Gruppen wurde registriert, wenn eine Frau wegen einer Kollagenose hospitalisiert werden musste. Die entsprechenden Fallzahlen wurden mit der Inzidenz in der Allgemeinbevölkerung sowie untereinander verglichen.

Ergebnisse
Eindeutige Kollagenosen wie chronische Polyarthritis, systemischer Lupus erythematodes entwickelten sich bei 29 Frauen mit Brustprothesen. Aufgrund der allgemeinen Bevölkerungsstatistik wären 26 Fälle zu erwarten gewesen. In der Kontrollgruppe (Brustverkleinerung) traten 14 Fälle von Kollagenosen auf; gemäss Bevölkerungsstatistik wären in dieser Gruppe 10 Fälle zu erwarten gewesen. In der Implantatgruppe kam es auch nicht zu einer signifikanten Häufung von verwandten Erkrankungen (Polymyalgia rheumatica, Fibromyalgie u.a.). Ein direkter Vergleich zwischen Frauen mit Brustprothesen und Frauen mit Brustverkleinerung ergab eine etwas kleinere Zahl von Kollagenosen in der Implantatgruppe.

Schlussfolgerungen
Ein Brustimplantat stellt wahrscheinlich kein Risiko dar, eine Kollagenose zu entwickeln.

Nachdem in den 80er und frühen 90er Jahren Fallberichte und kleine Studien erschienen, die eine Assoziation von Silikon-Implantaten mit Kollagenosen und weichteilrheumatischen Krankheiten vermuten liessen, zeigten in letzter Zeit mehrere grössere retrospektive Studien und Metaanalysen keinen Zusammenhang. Eine gewisse Unsicherheit bleibt auch bei der vorliegenden Studie bestehen, da nur hospitalisierte Patientinnen erfasst wurden, während rheumatische Erkrankungen meist ambulant behandelt werden können. Trotzdem kann bei der jetzigen Datenlage Silikonträgerinnen mit rheumatischen Erkrankungen nicht zur Entfernung der Implantate geraten werden, ausser wenn sie ins Gewebe ausgelaufen sind oder zu starken Vernarbungen geführt haben.

Ivo Büchler

 

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Kollagenosen nicht Folge von Brustimplantaten (April 1998)
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