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Bronchitis: mehr Information — weniger Antibiotika

r -- Macfarlane J, Holmes W, Gard P et al. Reducing antibiotic use for acute bronchitis in primary care: blinded, randomised controlled trial of patient information leaflet. BMJ 2002 (12. Januar); 324: 91-4 [Link]
Kommentiert von: Peter Ritzmann
infomed screen Jahrgang 6 (2002) , Nummer 5
Datum der Ausgabe: Mai 2002

Studienziele
Trotz ungewissem Nutzen werden zur Behandlung akuter Bronchitiden häufig Antibiotika eingesetzt (in England und Wales bei 70%). In dieser Studie wurde untersucht, ob mit der zusätzlichen Abgabe einer Informationsbroschüre an die Erkrankten die Einnahme von Antibiotika verringert werden kann.

Methoden
In die Studie wurden Erwachsene mit einer akuten Bronchitis, jedoch ohne andere Krankheiten, aufgenommen . Die Behandelnden entschieden aufgrund der Anamnese und der Untersuchung, ob eine Indikation für ein Antibiotikum fehlte (Gruppe A) oder vorhanden war (Gruppe B). Allen Erkrankten wurde ein Antibiotikum verordnet. Personen der Gruppe B wurden aufgefordert, das Antibiotikum einzunehmen. Personen der Gruppe A wurden mündlich informiert, dass sie gemäss ärztlicher Einschätzung kein Antibiotikum benötigen würden, dass der Nutzen eines Antibiotikums im Einzelfall aber schwierig vorauszusehen sei. Falls sich die Bronchitis weiter verschlechtere, dürften sie das verordnete Antibiotikum einnehmen. Nach dem Zufall erhielten Kranke der Gruppe A in einem verschlossenen Briefumschlag entweder ein Blatt, das die mündlich gegebenen Informationen nochmals wiedergab (Interventionsgruppe), oder einen leeren Zettel (Kontrollgruppe). Bei allen Teilnehmenden wurde später nachgefragt, ob sie das Antibiotikum eingenommen hätten oder nicht.

Ergebnisse
259 an einer Bronchitis Erkrankte nahmen an der Studie teil. Verordnet wurde fast immer Amoxicillin (Clamoxyl® u.a.) .Gruppe A (keine klare Antibiotika-Indikation) umfasste 212 Personen, die Hälfte davon (Interventionsgruppe) erhielt das Informationsblatt. In der Interventionsgruppe nahmen innerhalb von 2 Wochen 49 Personen (47%) ein Antibiotikum ein, in der Kontrollgruppe (leerer Zettel) dagegen 63 (62%), ein knapp signifikanter Unterschied. Zweitkonsultationen erfolgten in der Interventionsgruppe bei 11 Personen, in der Kontrollgruppe bei 14. In der Gruppe B (Antibiotika indiziert) nahmen 44 Kranke (94%) das verordnete Antibiotikum ein.

Schlussfolgerungen
Bei den meisten Erwachsenen mit einer akuten Bronchitis könnte man in der Behandlung auf Antibiotika verzichten. Zusätzlich zu mündlichen Informationen lässt sich mit einem Informationsblatt, das den Kranken die Unsicherheit bezüglich Nutzen einer Antibiotikatherapie erläutert, die Einnahme von Antibiotika reduzieren. (PR)

Ärztinnen und Ärzte geben den Wunsch der Erkrankten nach einer Behandlung als hauptsächliches Motiv für eine Antibiotika-Verschreibung bei einer akuten Bronchitis an. In dieser Studie wurde versucht, bei fehlender Indikation die Erkrankten so gut zu informieren, dass ihnen die Entscheidung überlassen werden konnte, ob sie Antibiotika einnehmen wollten. Für oder gegen ein solches Vorgehen sprechen in erster Linie unsere eigenen Vorstellungen von ärztlichem Handeln. Der bescheidene Effekt der Informationsbroschüre in dieser Studie hat aus diesen Gründen wenig Relevanz.

Peter Ritzmann

 

Standpunkte und Meinungen

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