Schilddrüsenfunktionsstörungen als Risikofaktoren?

  • k -- Cappola AR, Fried LP, Arnold AM et al. Thyroid status, cardiovascular risk, and mortality in older adults. JAMA 2006 (1. März); 295: 1033-41
  • Zusammengefasst von: Markus Häusermann
  • Kommentiert von: Max Stäubli
  • infomed screen Jahrgang 10 (2006) , Nummer 5
    Datum der Ausgabe: Mai 2006

Studienziele
Abnormitäten der Schilddrüsenfunktion, nachgewiesen anhand abnormer TSH-Werte, könnten mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einhergehen. Mittels einer epidemiologischen Studie versuchte man, dieses Risiko zu quantifizieren.

Methoden
Bei 3’233 Männern und Frauen, die an einer epidemiologischen Langzeitstudie («Cardiovascular Health Study») teilnahmen, wurde bei Studienbeginn im Serum das TSH und bei abnormem Resultat zusätzlich das freie T4 (fT4) bestimmt. Die Klassierung erfolgte als Euthyreose (TSH normal), manifeste Hyperthyreose (TSH tief, fT4 erhöht), subklinische Hyperthyreose (TSH tief, fT4 normal), subklinische Hypothyreose (TSH erhöht, fT4 normal) und manifeste Hypothyreose (TSH erhöht, fT4 tief). Während einer Beobachtungszeit von durchschnittlich 12,5 Jahren wurden folgende Ereignisse erfasst: Vorhofflimmern, koronare Herzkrankheit, zerebrovaskuläre Krankheit und Tod.

Ergebnisse
Bei Studienbeginn hatten 496 (15%) der Testpersonen eine subklinische und 51 (1,6%) eine manifeste Hypothyreose. Personen mit manifester Hyperthyreose wurden wegen zu kleiner Anzahl ausgeschlossen. Bezüglich koronarer und zerebrovaskulärer Ereignisse und Todesfälle unterschieden sich die einzelnen Gruppen nach Korrektur für Alter und Geschlecht nicht signifikant. Bei den 47 (1,5%) Testpersonen mit subklinischer Hyperthyreose traten im Verlauf 67 Ereignisse mit Vorhofflimmern pro 1000 Personenjahre auf, signifikant mehr als die 31/1000 Personenjahre in den übrigen Gruppen.

Schlussfolgerungen
In dieser Studie fand sich ein um etwa das Doppelte höheres Risiko für ein Vorhofflimmern bei subklinischer Hyperthyreose. Keine Assoziation mit kardiovaskulären Erkrankungen oder Sterblichkeit fand sich hingegen für subklinische und manifeste Hypothyreosen.

Zusammengefasst von Markus Häusermann

Die Frage der Bedeutung subtiler Funktionsänderungen der Schilddrüse bzw. der Funktionseinheit Schilddrüse- Hypothalamus-Hypophyse ist von grosser Tragweite, weil diese Störungen relativ häufig sind, vor allem die subklinische Hypothyreose. Die Studie zeigt, dass Leute mit subklinischer Hyperthyreose gegenüber Euthyreoten doppelt so oft Vorhofflimmern entwickeln und bestätigt damit die Ergebnisse einer früheren Studie mit über 23’000 Untersuchten, in der subklinisch Hyperthyreote sogar 5-mal häufiger Vorhofflimmern entwickelten als Euthyreote. Während für die subklinische Hypothyreose im Verlauf der 12,5-jährigen Beobachtungszeit kein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko 42  ermittelt werden konnte, zeigten frühere Untersuchungen, dass sie ein Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit, aber auch für eine Herzinsuffizienz sein kann, und dass damit auch eine erhöhte allgemeine Sterblichkeit verbunden sein kann. Nach wie vor bleibt es aber offen, ob eine Hormonbehandlung von Nutzen sein könnte; diesbezüglich werden in den verschiedenen Studien keine Empfehlungen gemacht.

Max Stäubli


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Schilddrüsenfunktionsstörungen als Risikofaktoren? (Mai 2006)