Östrogene schützen nicht vor koronarer Herzkrankheit

  • r -- Hsia J, Langer RD, Manson JA et al. Conjugated equine estrogens and coronary heart disease. The Women’s Health Initiative. Arch Intern Med 2006 (13. Februar); 166: 357-65 [Link]
  • Zusammengefasst von: Marcel Zwahlen
  • Kommentiert von: Matthias Egger
  • infomed screen Jahrgang 10 (2006) , Nummer 4
    Datum der Ausgabe: April 2006

Studienziele
In den bisher publizierten Studien der «Women’s Health Initiative» (WHI) wurde aufgezeigt, dass kombinierte Östrogen- Gestagen-Präparate postmenopausalen Frauen keinen Schutz vor Herzkreislauferkrankungen bieten, sondern das Risiko eher etwas erhöhen. Unbeantwortet blieb bisher die Frage, ob Östrogene allein das Risiko bei hysterektomierten Frauen senken. Diese randomisierte Studie sollte die Schutzwirkung von Östrogenen ohne Gestagenzusatz bezüglich Herzkreislauferkrankungen bei hysterektomierten Frauen über 50 Jahren untersuchen.

Methoden
In 40 US-amerikanischen Zentren wurden nach dem Zufallsprinzip 10'739 hysterektomierte Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahren mit täglich 0,625 mg konjugierten Östrogenen (Premarin® u.a.) bzw. Placebo behandelt. Die Studie wurde nach durchschnittlich 6,8 Jahren Beobachtungszeit vorzeitig abgebrochen – geplant waren 8,5 Jahre. Die Publikation berichtet über den Hauptendpunkt «koronare Ereignisse » (Herzinfarkt oder Tod aufgrund koronarer Herzkrankheit) und über einige Subgruppen-Analysen.

Ergebnisse
Im Studienzeitraum wurden 201 koronare Ereignisse in der Östrogengruppe und 217 in der Placebogruppe festgestellt, was eine relative Ereignisrate von 0,95 (95% CI 0,79 – 1,16) ergab. Koronar bedingte Todesfälle traten in beiden Gruppen gleich häufig auf (bei 62 bzw. 63 Frauen). Frauen, welche bei Studienbeginn 50 bis 59 Jahre alt waren, hatten unter Östrogenen weniger koronare Ereignisse als unter Placebo; der Unterschied war allerdings nicht signifikant (relative Ereignisrate 0,63, 95% CI 0,36 – 1,08).

Schlussfolgerungen
Eine kardiale Schutzwirkung der Östrogentherapie bei hysterektomierten Frauen konnte in dieser randomisierten Studie nicht nachgewiesen werden, allerdings fand sich auch kein Hinweis auf eine Risikoerhöhung. Die mögliche Schutzwirkung bei den 50- bis 59-jährigen Frauen könnte ein Zufallsbefund sein und müsste in zusätzlichen randomisierten Studien erhärtet werden.

Zusammengefasst von Marcel Zwahlen

In dieser Arbeit werden die endgültigen Daten zur koronaren Herzkrankheit analysiert, wobei im Vergleich zur kurz nach Studienabbruch publizierten Analyse1 weitere 42 koronare Ereignisse dazukamen. Die Resultate sind jedoch praktisch identisch. Insbesondere kann ein protektiver Effekt der konjugierten equinen Östrogene auch jetzt in der jüngeren Altersgruppe (50 bis 59 Jahre) nicht sicher nachgewiesen werden. Somit gilt weiterhin: aufgrund des erhöhten Risikos für Herz- Kreislaufkrankheiten (bei Östrogen allein insbesondere Schlaganfälle), Endometriumkarzinom, Brustkrebs (bei Östrogen-Gestagen-Kombinationen) und, bei älteren Frauen, möglicherweise Demenz, ist ein Hormonersatz nur vorübergehend zur Linderung von Beschwerden in den Wechseljahren gerechtfertigt.

Matthias Egger

1     Anderson GL, Limacher M, Assaf AR et al. Effects of conjugated equine estrogen in postmenopausal women with hysterectomy: The Women's Health Initiative randomized controlled trial. JAMA 2004 (14. April); 291: 1701-12

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Östrogene schützen nicht vor koronarer Herzkrankheit (April 2006)