BNP zum Ausschluss einer Herzinsuffizienz
- r -- Mueller C, Laule-Kilian K, Schindler C et al. Cost-effectiveness of B-type natriuretic peptide testing in patients with acute dyspnea. Arch Intern Med 2006 (22. Mai); 166: 1081-7 [Link]
- Zusammengefasst von:
- Kommentiert von: Renato L. Galeazzi
- infomed screen Jahrgang 10 (2006)
, Nummer 7
Datum der Ausgabe: Juli 2006 - PDF-Download dieses Artikels (automatisch generiert)
Studienziele
Die Bestimmung des BNP kann helfen, die Diagnose einer Herzinsuffizienz schneller und mit grösserer Sicherheit zu stellen. In dieser Studie wird untersucht, ob mit der Bestimmung des BNP bei Personen mit akuter Atemnot auf einer Notfallstation Kosten eingespart werden können.
Methoden
Bei Personen, die mit akuter Atemnot auf die Notfallstation kamen, wurden die üblichen Untersuchungen gemacht und nach dem Zufall bei der einen Hälfte zusätzlich das BNP bestimmt. Bei BNP-Werten unter 100 pg/ml galt eine Herzinsuffizienz als praktisch ausgeschlossen und es wurde nach andern Ursachen der Atemnot gesucht, bei Werten über 500 pg/ml wurde sofort eine Therapie der Herzinsuffizienz eingeleitet. Bei Werten zwischen 100 und 500 pg/ml wurde mehr auf die übrigen Befunde abgestellt. Die Behandelten und ihre Hausärztinnen und Hausärzte wurden nach 6 Monaten telefonisch über den Verlauf befragt; die Kosten der Behandlung wurden aufgrund der Akten geschätzt.
Ergebnisse
452 Personen konnten in die Studie aufgenommen werden, 225 in die BNP-Gruppe, 227 in die Kontrollgruppe. Die BNP-Werte betrugen bei 80 Personen weniger als 100 pg/ml, bei 64 100-500 pg/ml und bei 80 über 500 pg/ml. Die Messung des BNP führte zu Veränderungen der Behandlung, des Verlaufs der Erkrankung und der Kosten. Nach 180 Tagen betrug die Mortalität in der BNP-Gruppe 20%, in der Kontrollgruppe 23% (Unterschied nicht signifikant). Die BNP-Gruppe war durchschnittlich 10 Tage, die Kontrollgruppe 14 Tage hospitalisiert, die geschätzten Kosten betrugen in der BNP-Gruppe $7’930 gegenüber $10'503 in der Kontrollgruppe (Unterschiede signifikant).
Schlussfolgerungen
Die Bestimmung des BNP bei Kranken auf einer Notfallstation hat neben anderen Vorteilen auch eine Kosteneinsparung zur Folge.
Zusammengefasst von Peter Koller
Ich habe grosse Mühe, bei dem vielfältigen Symptomenkomplex, durch den sich die Herzinsuffizienz auszeichnet, an einen einzelnen Parameter zu glauben, der sowohl die Krankheit ausschliessen lässt und gleichzeitig Kosten senken soll. Letzteres mag vielleicht in einem Grossspital der Fall sein, das eine stark ausgelastete Notfallstation und zu wenig ärztliches Personal mit den notwendigen klinischen Fähigkeiten hat. In der Grundversorgung dürften sich die in der vorliegenden systematischen Übersicht propagierten Vorteile kaum realisieren lassen. Ärztinnen und Ärzte in der Grundversorgung werden mit Anamnese und sorgfältiger Untersuchung auf eine Vortestwahrscheinlichkeit von 50% und darüber kommen. Und in diesem Fall ist das BNP wegen der hohen Zahl an falsch positiven und falsch negativen Resultaten nicht brauchbar.
Renato L. Galeazzi
Standpunkte und Meinungen
- Es gibt zu diesem Artikel keine Leserkommentare.
Copyright © 2023 Infomed-Verlags-AG
-
Jahrgang 2023
Jahrgang 2022
Jahrgang 2021
Jahrgang 2020
Jahrgang 2019
Jahrgang 2018
Jahrgang 2017
Jahrgang 2016
Jahrgang 2015
Jahrgang 2014
Jahrgang 2013
Jahrgang 2012
Jahrgang 2011
Jahrgang 2010
Jahrgang 2009
Jahrgang 2008
Jahrgang 2007
Jahrgang 2006
Jahrgang 2005
Jahrgang 2004
Jahrgang 2003
Jahrgang 2002
Jahrgang 2001
Jahrgang 2000
Jahrgang 1999
Jahrgang 1998
Jahrgang 1997