Lansoprazol

Synopsis

Lansoprazol (Agopton®) wird zur Behandlung von Magen- und Duodenalulzera sowie von Refluxösophagitis empfohlen.

Chemie/Pharmakologie

Lansoprazol ist ein Benzimidazolderivat, das eine sehr ähnliche Struktur wie Omeprazol (Antra®) aufweist. Wie das letztere ist Lansoprazol ein hochwirksamer Hemmer der H+ /K+ -ATPase («Protonenpumpe»). Über die Blutbahn zugeführt werden diese Medikamente in den Belegzellendes Magens zu aktiven Formen umgewandelt, binden sich dort an die H+ /K+ -ATPase, was eine Hemmung des Austausches von Kaliumionen gegen Protonen zur Folge hat. Die zentral und peripher gesteuerte Säuresekretion wird dadurch unabhängig von den Rezeptoren für Gastrin, Histamin und Acetylcholin dosisabhängig reduziert.(1) Die Hemmwirkung von Lansoprazol dauert 24 Stunden an, ist jedoch reversibel. Der Säuregehalt desMagens wird nach einer Einzeldosis um 80% und nach täglicher Einnahme während einer Woche um 90% vermindert. Dabei wird die basale und die stimulierte Säuresekretion gehemmt. Reduziert werden auch das Magensaft-Volumen und die Sekretion und Aktivität von Pepsin. Eine Behandlung während acht Wochen führt als Folgeder unterdrückten Säuresekretion zu einer Verdoppelung des Gastrinspiegels im Plasma. Die erhöhten Werte normalisieren sich nach Absetzen von Lansoprazol innerhalbvon vier Wochen.

Pharmakokinetik

Lansoprazol ist säureempfindlich und wird deshalb in Kapseln mit magensaftresistenten Granula verabreicht. Die Resorption im Dünndarm erfolgt rasch, maximale Plasmaspiegel sind nach 2 Stunden erreicht. Die biologische Verfügbarkeit beträgt 70%. Bei gleichzeitiger Nahrungsaufnahme vermindert sich die Verfügbarkeit um30%. Lansoprazol wird in der Leber zu inaktiven Metabolitenumgewandelt. Die Plasmahalbwertszeit beträgt bei jungen Leuten 1,5 Stunden, bei älteren Patienten 2 Stunden und bei Personen mit Leberinsuffizienz 7 Stunden. Rund 20% einer Dosis werden als Metaboliten im Urinausgeschieden, der Rest mit dem Stuhl.(2)

Klinische Studien

Die Wirkung von Lansoprazol wurde bisher vorwiegend im Vergleich mit derjenigen von H2-Rezeptorantagonisten untersucht. In kleineren Studien wurde Lansoprazol auch mit Omeprazol verglichen. Die Beurteilung der Wirkung erfolgte endoskopisch sowie anhand der Symptomeund des Antazida-Verbrauchs.

Refluxösophagitis

In einer Doppelblindstudie wurden bei insgesamt 229 Patienten mit endoskopisch dokumentierter Refluxösophagitis zwei verschiedene Lansoprazol-Dosen mit Ranitidin (Zantic®) verglichen. In einer Tagesdosis von 30 mg ergab sich mit Lansoprazol eine signifikant höhere Heilungsrate als mit dem H2-Rezeptorantagonisten. Nach vier Wochen waren unter Lansoprazol 84%, unter Ranitidin (300 mg/Tag) nur 39% geheilt; nach acht Wochen waren es 92% (Lansoprazol) gegenüber 53% (Ranitidin). Eine Verdoppelung der Lansoprazol-Dosis (auf 60 mg/Tag) ergab kein besseres Resultat.(3)
Bei Personen, die auf eine «übliche» Behandlung mit H2-Rezeptorantagonisten ungenügend angesprochen hatten, liess sich eine Refluxösophagitis mit Lansoprazol (30 mg/Tag) viel besser heilen als mit einer länger fortgesetzten Ranitidin-Therapie.(4)
Im Vergleich mit Omeprazol (20 mg/Tag) dagegen bringt Lansoprazol (30 mg/Tag) keine signifikant besseren Resultate: In einem doppelblinden Vergleich bei 229 Patienten ergaben beide Medikamente eine Heilung bei etwa 65% nach vier Wochen und bei 85% nach acht Wochen. Das Magenbrennen wurde allerdings von Lansoprazolrascher als von Omeprazol gelindert.(5)

Magenulzera

Auch in der Behandlung von Magenulzera wurden verschiedene Lansoprazol-Dosen miteinander sowie mit Ranitidin verglichen. Eine Tagesdosis von 30 mg erwies sich in zwei Studien als optimal, während kleinere Dosen (7,5 oder 15 mg/Tag) ähnlich wirksam wie Ranitidin (300 mg/Tag) waren, die Dosis von 60 mg/Tag dagegen keinen zusätzlichen Nutzen ergab.(2) Im Vergleich mit Ranitidin wurden die Symptome eines Magenulkus von Lansoprazol oft ähnlich beeinflusst; Unterschiede ergaben sich hauptsächlich bei der endoskopischen Beurteilung. So fand sich beispielsweise in einer Doppelblindstudie mit 128 Patienten nach acht Wochen eine Ulkusheilung bei 98% der mit Lansoprazol und bei 86% der mit Ranitidin behandeltenPersonen.(6)
Gemäss einer bisher nur als Abstract veröffentlichten Studie ist Lansoprazol (30 mg/Tag) bei Magenulzera praktisch gleich wirksam wie Omeprazol (20 mg/Tag).(2)


Duodenalulzera

Gleich wie bei anderen Indikationen hat sich eine Tagesdosis von 30 mg Lansoprazol als die beste Dosis erwiesen. In einer Doppelblindstudie erhielten 289 Patienten mit Ulcus duodeni während vier Wochen Lansoprazol (30 oder 60 mg/Tag) oder Ranitidin (300 mg/Tag). Beide Lansoprazol-Dosen wirkten rascher und zuverlässiger als Ranitidin; nach vier Wochen waren unter Lansoprazol rund 95% der Ulzera geheilt, unter Ranitidin jedoch nur 81%. Zwischen den beiden Lansoprazol-Dosen fand sich aber kein nennenswerter Unterschied.(7)
Im Vergleich mit Omeprazol (20 mg/Tag) konnte in einer Studie mit 144 Ulkuspatienten eine etwas raschere Wirkung von Lansoprazol festgestellt werden; nach vier Wochen war das Resultat mit beiden Protonenpumpenhemmern identisch.(8)
Ulkusrezidive sind nach einer Lansoprazolbehandlung etwa gleich häufig wie nach einer Therapie mit H2-Rezeptorantagonisten. Im Zeitraum von sechs Monaten kommtes bei etwa 20% der Behandelten zu einem Rezidiv.(9) Man kann annehmen, dass sich Lansoprazol wie Omeprazol mit Antibiotika zusammen zur Eradikation von Helicobacter pylori eignet. Bisher sind aber noch keine entsprechenden klinischen Studien veröffentlicht.

Zollinger-Ellison-Syndrom

Wie Omeprazol ist Lansoprazol in hohen bis sehr hohen Dosen (60 bis 120 mg/Tag) in der Regel auch bei Zollinger-Ellison-Syndrom gut wirksam.(10)

Unerwünschte Wirkungen

In den beschriebenen Studien klagten nur wenige der Behandelten über unerwünschte Wirkungen. Am häufigsten waren Durchfall, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Brechreiz und Hautreaktionen. Obstipation und ein Anstieg der Transaminasen sind selten. Über Einzelfälle von Proteinurie, Polydipsie und Tinnitus ist berichtet worden. Gesamthaft verursachten die in den Studien verwendeten Vergleichssubstanzen (Placebo, H2-Rezeptorantagonisten, Omeprazol) ähnlich viele Nebenwirkungen.
Die klinische Bedeutung der von Lansoprazol hervorgerufenen Hypergastrinämie ist nicht ganz klar. Bisher sind weder in Tierversuchen noch beim Menschen karzinoide Veränderungen der Magenschleimhaut beobachtet worden. Es sind allerdings bisher nur sehr wenige Personen länger als während acht Wochen kontrolliert mit Lansoprazol behandelt worden.

Interaktionen

Bisher sind kaum klinisch relevante Wechselwirkungen bekannt geworden. Da Lansoprazol die hepatischen Zytochrom-P450-Monooxygenasen hemmt, sind jedoch Interaktionen z.B. mit Diazepam, Phenytoin oder oralen Antikoagulantien nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig eingenommene Antazida reduzieren wahrscheinlich (wie Nahrungsmittel) die biologische Verfügbarkeit von Lansoprazol.

Dosierung, Verabreichung, Kosten

Lansoprazol (Agopton®) ist als Kapseln zu 30 mg erhältlich; das Präparat ist ab 15. März 1994 kassenzulässig. Die tägliche Dosis von 30 mg soll vor dem Frühstück eingenommen werden. Duodenalulzera werden 2 bis 4 Wochen, Magenulzera und Refluxösophagitis 4 bis 8 Wochen behandelt. In Anbetracht der noch beschränkten Erfahrungen wird davon abgeraten, Lansoprazol länger als 8 Wochen zu verabreichen. Schwangere und stillende Frauen sowie Kinder sollten nicht mit Lansoprazol behandelt werden, da entsprechende Untersuchungen noch fehlen. Bei Kranken mit Leber- oder Niereninsuffizienz sowie bei alten Leuten darf die Tagesdosis von 30 mg nicht erhöht werden.
Eine  vierwöchige  Behandlung  mit  Lansoprazol  (30 mg/Tag, mittelgrosse Originalpackung) kostet Fr. 147.95 und ist damit etwas billiger als eine Omeprazol-Behandlung (20 mg/Tag kosten in vier Wochen Fr. 173.60).

Kommentar

Wie Omeprazol ist Lansoprazol ein hochwirksames Medikamentbei peptischen Ulzera und Refluxösophagitis. Einnennenswerter Unterschied zwischen den beiden Medikamentenbesteht nicht; die etwas raschere Wirkung von Lansoprazolerklärt sich wahrscheinlich durch die Tatsache, dassdieses Mittel allgemein in einer etwas höheren Tagesdosisverabreicht wird. Die weitaus interessanteste Frage, ob nämlichLansoprazol aktiv zur Eradikation von Helicobacterpylori beitragen kann, ist noch kaum untersucht. Leiderwurde es auch verpasst, dem neuen Präparat einen substantiellenPreisvorteil gegenüber Omeprazol zuzuordnen. Zurzeitgibt es keine überzeugenden Gründe, weshalb Lansoprazoldem besser dokumentierten Omeprazol vorzuziehen wäre.

Literatur

  1. 1) Nagaya H et al. J Pharmacol Exp Ther 1990; 252: 1289-95
  2. 2) Barradell LB et al. Drugs 1992; 44: 225-50
  3. 3) Bardhan KD et al. Gastroeneterology 1991; 100: A30
  4. 4) Feldman M et al. Am J Gastroenterol 1993; 88: 1212-7
  5. 5) Hatlebakk JG et al. Scand J Gastroenterol 1993; 28: 224-8
  6. 6) Michel P et al. Aliment Pharmacol Ther 1994; 8: 119-22Michel P et al. Aliment Pharmacol Ther 1994; 8: 119-22
  7. 7) Hawkey CJ et al. Gut 1993; 34: 1458-62
  8. 8) Petite JP et al. Gastroenterol Clin Biol 1993; 17: 334-40
  9. 9) Londong W et al. Aliment Pharmacol Ther 1991; 5: 245-54
  10. 10) Metz DC et al. Dig Dis Sci 1993; 38: 245-56

Standpunkte und Meinungen

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Lansoprazol (14. Januar 1994)
Copyright © 2021 Infomed-Verlags-AG
pharma-kritik, 16/No. 01
PK472

Lansoprazol