Pharma-Kritik

Infomed: bald 20 Jahre!

Etzel Gysling
pharma-kritik Jahrgang 21, Nummer 20, PK337
Redaktionsschluss: 28. Juli 2000
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Vor bald 20 Jahren wurde die Infomed-Verlags-AG gegründet. Diese Aktiengesellschaft ist seither eine reine Familien-AG geblieben, an der neben meiner Frau und mir ursprünglich auch mein Vater beteiligt war. Die Zeitschrift pharma-kritik erschien bis Ende 1980 im Verlag Hans Huber Bern. Heinz Weder, der damalige Verlagsleiter und seither leider schon lange verstorben, hatte das Projekt "pharma-kritik" mitgetragen und das unrentable Verlagsobjekt intern während zwei Jahren verteidigt. Auf 1981 ging die Zeitschrift dann an uns über. Vielleicht sagen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, jetzt: Schon seit 20 Jahren verspätete pharma-kritik-Nummern! Wenn Ihnen dieser Gedanke zuerst kommt, ist Ihnen wohl nicht bewusst, wie gross der Aufwand für fast jede einzelne pharma-kritik-Nummer ist und mit wie wenig finanziellen Ressourcen es doch immer wieder gelingt, Ihnen Information zu bieten, die höchsten Qualitätsansprüchen genügt.

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Rückblick

In 20 Jahren haben wir viel dazu gelernt, manches haben wir versucht, einige Projekte sind nicht gediehen, andere wohl. Noch denke ich wehmütig an unsere Zeitschrift "check-up" zurück, mit der wir anfangs der 90er Jahre ein allgemeines Publikum erreichen wollten. Für dieses - ebenfalls werbefreie - Produkt war unser Verlag wohl zu klein, wir konnten uns die teure Werbung nicht leisten und das Projekt musste mit grossem Defizit begraben werden. Auch heute bin ich noch überzeugt, dass es wichtig wäre, eine solche Zeitschrift von ärztlicher Seite und werbefrei herauszugeben. Was nützt es? Gegen den profitorientierten Zeitgeist ist schwer aufzukommen.

Sehr viel erfolgreicher war das Buchprojekt "100 wichtige Medikamente". Mit diesem 1994 erschienenen Buch wollten wir zeigen, dass uns positive Information zu Medikamenten ebenso wichtig erscheint wie die notwendige Kritik. Dass "100 wichtige Medikamente" auch in einer Sonderausgabe für Deutschland und auch in englischer Sprache erscheinen konnte, zeugt von der Notwendigkeit einer praxisorientierten Kurzinformation als Gegengewicht zu den bald zentnerschweren offiziellen Arzneimittelindices. Dieses Buch wäre längst in einer Neuausgabe erschienen, wäre nicht die "Publishing Revolution" - das Internet - dazwischen gekommen. Die Hoffnung ist nicht ganz verloren, dass es doch noch gelingt, die "100 Medikamente" neu herauszugeben, aber ich will in dieser Hinsicht vorläufig nichts versprechen.

Im Internet ist unser Verlag seit 1995 präsent, länger als die meisten deutschsprachigen Verlage. INFOMED ONLINE - ein Angebot, das vielleicht immer noch nicht allen unseren Abonnentinnen und Abonnenten bekannt ist und das ich deshalb weiter unten nochmals vorstellen möchte. Unsere Website ist ganz im Geiste unserer Printaktivitäten gestaltet, ohne Werbung, ohne Sponsoring, in jeder Beziehung unabhängig. Die Tatsache, dass unser Webserver monatlich über 1 Million Zugriffe (von über 100'000 Besucherinnen und Besuchern) verzeichnet, ist in erster Linie unserem "Drug Guide", der englischen Version von "100 Medikamenten", zu verdanken. (Wir werden nächstens eine preisgünstige CD mit dem Drug Guide herausgeben und sind natürlich gerne bereit, dieses Produkt in englischer Sprache auch in der Schweiz zu verkaufen - aber aufgepasst, der Drug Guide entspricht der 1994er Version des Buches!).

Viel Arbeit und viel Freude bereitet schliesslich auch unsere neueste Publikation, infomed-screen. Diese auf "Evidence" ausgerichtete Referatezeitschrift hat sich nach einem zaghaften Start vor bald vier Jahren recht gut entwickelt und stellt meines Erachtens die ideale Ergänzung zu pharma-kritik dar. Eine Zeitschrift, die von Anfang an die Möglichkeiten des elektronischen Publizierens mitberücksichtigt (man konnte schon die erste Nummer per e-mail beziehen), handelt es sich um ein wandlungsfähiges Medium, das nicht nur neue medizinische Erkenntnisse aufzeigt, sondern auch neue Formen der Informationsvermittlung nutzt. Wir haben einen "heissen Draht" zum International Journal of Epidemiology, dank dessen wir immer wieder auch von Kommentaren britischer Fachleute profitieren.

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Das Angebot

Die Zeitschrift pharma-kritik ist schon lange nicht mehr ausschliesslich ein Druckerzeugnis. Dennoch bleibt sie das praktische kleine Blatt, das sich so leicht mitnehmen lässt und das versucht, auf möglichst wenig Papier möglichst relevante Information zu vermitteln. Aber nur diejenigen ziehen optimalen Nutzen von pharma-kritik, die auch die elektronische Version verwenden. Der Zusatznutzen dieser "Plus-Version" kommt zudem für alle Abonnentinnen und Abonnenten gratis. Es gibt eine Reihe von Vorteilen, die sich erwähnen lassen:

- Im Internet lässt sich jetzt der gesamte Text von fünf vollständigen Jahrgänge durchsuchen. Das Suchprogramm, das wir seit etwa einem Jahr installiert haben, ist schnell und komfortabel. Man kann unsere ganze Site durchsuchen oder nur einzelne Segmente, z.B. die pharma-kritik-Jahrgänge 17 bis 21. (Auf unserer "Suchseite" findet sich übrigens auch ein praktischer Zugang zur Medline in der PubMed-Version der National Library of Medicine.)
- Dank Verknüpfung mit Datenbanken und Online-Zeitschriften gewinnen unsere Literaturangaben an Substanz. Fast alle sind heute mindestens mit einem Abstract "verlinkt", nicht wenige sogar mit dem vollständigen Originaltext - sehr praktisch, wenn man einmal einer Sache wirklich auf den Grund gehen will. Auch die Zytochrom-Tabellen, die vor ein paar Monaten erschienen sind, sind für Abonnentinnen und Abonnenten vollumfänglich online abrufbar, mit einem speziellen "Plus" gegenüber der Printversion: alle Angaben sind mit der entsprechenden Medline-Referenz verknüpft.
- Wer sich für die "Plus-Version" angemeldet hat, erhält auf Wunsch auch unsere Mailings: so kann man sich per e-mail benachrichtigen lassen, wenn jeweils wieder eine neue Nummer im Internet aufgeschaltet wurde.
- Eine besonders beliebte Gratiszugabe ist unsere wöchentliche Volltext-Auswahl. Im Internet werden fortlaufend neue, vollständige Artikel aus Fachzeitschriften frei erhältlich. Wir treffen jede Woche eine Auswahl und senden Ihnen die entsprechenden Webadressen per e-mail.

Unsere Website bietet Ihnen, aber auch einer interessierten Allgemeinheit, kostenlos weitere Informationen. Seit anfangs 2000 publizieren wir regelmässig "Bad Drug News" - Hinweise auf Probleme mit Medikamenten oder auf enttäuschende Resultate von Studien. Auch diese sind selbstverständlich mit Links zu Abstracts, Originalarbeiten, Firmen- oder Behördenmitteilungen versehen. Im infomed-screen-Verzeichnis finden sich ausgewählte Artikel aus dieser Zeitschrift sowie sämtliche Ausgaben des "Internet Corner". Die Zusammenfassungen in infomed-screen sind teilweise von längeren Kommentaren begleitet, die auch im Internet zu lesen sind. Für Abonnentinnen und Abonnenten gibt es innerhalb von Infomed Online ein (nicht allgemein zugängliches) professionelles Diskussionsforum. Präsentationen vom Aroser Allgemeinmedizin-Kongress, Fragen und Antworten zu Pharmakotherapiefragen, die bereits erwähnte englische Version des Buches über "100 wichtige Medikamente" - wenn Sie sich bisher noch nicht ins Internet gewagt haben, sollten Sie es tun, es gibt auch auf unserer Website noch vieles zu entdecken.

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Unser Dank - und unsere Sorgen

Infomed existiert nur dank seinen Abonnentinnen und Abonnenten. Wir wissen das zu schätzen - ich bin stolz darauf, dass so viele uns praktisch seit den allerersten pharma-kritik-Jahrgängen die Treue halten. Deshalb richtet sich mein Dank immer wieder zuerst an die vielen Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker und alle "zugewandten Orte", die es mit ihrer Abonnementszahlung ermöglichen, dass in der Schweiz unabhängige Publikationen wie pharma-kritik und infomed-screen geschaffen werden können.

Ich vertrete immer wieder die Meinung, die pharmazeutische Industrie stelle ihre Produkte zu Recht ins bestmögliche Licht. Diese Art der Beleuchtung kommt aber notwendigerweise nur von einer Seite - niemand glaubt jedoch, Pharmazeutika hätten nur eine Sonnenseite. Unsere Aufgabe, auch Schattenseiten zu zeigen, ist für das Wohlergehen kranker Menschen von grösster Bedeutung. Die letzten 20 Jahre haben der Pharmaindustrie ein enormes Wachstum und uns zahlreiche innovative Arzneimittel gebracht. Dies hat aber auch bewirkt, dass die Aufgabe der Verschreibenden ständig schwieriger wird - ein Grund mehr, warum es unabhängige Zeitschriften braucht.

sNicht verbergen möchte ich, dass wir bei Infomed natürlich auch einige Sorgen haben. Wir funktionieren auch heute noch auf einer unerhört schmalen finanziellen Basis. Es gibt zudem verschiedene ungünstige Entwicklungen, deren Auswirkungen wir nur mit Mühe abfangen können. So ist zum Beispiel das Porto für den Zeitschriftenversand stark angestiegen. Die neue Software, die wir kaufen mussten, um die Abonnementsverwaltung weiterhin adäquat ausführen zu können, war nicht nur teuer, sondern in mancher Hinsicht mangelhaft, was uns wiederum viele Arbeitsstunden gekostet hat. Ich möchte deshalb um Verständnis dafür bitten, dass wir uns nicht leisten können, unsere Zeitschriften allgemein frei verfügbar im Internet zu veröffentlichen. So können wir leider auch denjenigen, die nur infomed-screen abonniert haben, das Tor zu den speziellen Internet-Dienstleistungen von pharma-kritik nicht auftun. Es ist möglich, dass wir es in Zukunft einrichten können, dass man einzelne dieser Dienstleistungen separat abonniert. Wie sich das "medizinische Publizieren" entwickeln wird, lässt sich zur Zeit nicht leicht abschätzen. Sicher ist, dass wir unser hauptsächliches Anliegen, kritisch evaluierte Information zu Arzneimitteln und zu neuen Erkenntnissen hervorzubringen, immer hochhalten werden.

Etzel Gysling

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pharma-kritik, 21/No. 20
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