Arzneimittelzulassungen und Studienpopulationen

  • Autor(en): Max Giger
  • pharma-kritik-Jahrgang 48 , PK1421, Online-Artikel
    Publikationsdatum: 17. Februar 2026
    DOI: https://doi.org/10.37667/pk.2026.1421
  • Arzneimittel werden oft für breitere Patientengruppen registriert, als in den zugrunde liegenden Studien untersucht werden. Was bedeutet dies für die Praxis?
Die im Screen-Beitrag "Stimmen Arzneimittelzulassungen mit den Populationen aus den Zulassungsstudien überein?" vorgestellte Arbeit ist von grosser klinischer Bedeutung, zeigt sie doch auf, dass Arzneimittel regelmässig für breitere Patientengruppen registriert werden, als in den zugrunde liegenden Studien untersucht werden.  Besonders werden wichtige Kriterien wie  Komorbiditäten, Organfunktionen und Gesundheitszustand (Performance-Status) weniger restriktiv formuliert als in den klinischen Studien, die oft häufige Komorbiditäten wie höhergradige Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus oder Nikotinabusus ausschliessen. Ohne wissenschaftliche Begründung wird so die "Zielpopulation", die vom Arzneimittel profitieren soll, erweitert. Dieses Muster ist in der Onkologie besonders ausgeprägt: 41% der zwischen 1995 und 2020 von der EMA zugelassenen Onkologika wiesen keinen oder einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen auf [1]. Selbst Jahre nach der Zulassung konnte ein erheblicher Anteil der onkologischen Arzneimittel keinen bestätigten klinischen Nutzen in Post-Approval-Studien nachweisen [2]. Aufgrund langjähriger regulatorischer Erfahrungswerte machen Onkologika etwa ein Drittel aller neu zugelassenen Wirkstoffe aus. Immunologische Wirkstoffe folgen mit etwa 10-20%, wobei einzelne Substanzen sowohl immunologische als auch onkologische Indikationen besitzen. Diese Einordnung verdeutlicht, dass Onkologika einen substanziellen Anteil der analysierten Wirkstoffe ausmachen und damit wesentlich zur beobachteten Divergenz zwischen Studienpopulation und zugelassener Indikation beitragen. Ein Vergleich der Zulassungsentscheidungen von Swissmedic, EMA und FDA der Jahre 2009–2018 zeigt, dass onkologische Arzneimittel systematisch unter erleichterten Bedingungen zugelassen werden [3]. Onkologika erhielten deutlich häufiger beschleunigte oder erleichterte Zulassungen, wurden öfter auf der Basis begrenzter oder methodisch schwacher Evidenz beurteilt und gelangten schneller auf den Markt als nicht-onkologische Produkte. Die Analyse der wenigen divergierenden Entscheidungen zwischen den drei Behörden zeigt, dass sie auf der unzureichenden Qualität der zugrundeliegenden klinischen Daten beruhen, wie unklare oder inad&
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Arzneimittelzulassungen und Studienpopulationen (17. Februar 2026)
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pharma-kritik, 48/No. 2
PK1421
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