bad drug news

September 2020

Vitamin D schützt nicht vor Depressionen

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 2. September 2020

In der placebonkontrollierten VITAL-Studie, die vor gut 1½ Jahren publiziert worden ist, hatte man untersucht, ob Vitamin D kardiovaskuläre Ereignisse und Krebserkrankungen verhütet (wobei das Ergebnis negativ war). Ungefähr 70% der VITAL-Population wurde für eine ergänzende Analyse herangezogen, bei der man die Hypothese prüfte, dass Vitamin D vor Depressionen schütze (VITAL-DEP). Depressive Symptome traten allerdings in der Vitamin-D-Gruppe (Einnahme von Cholecalciferol 2000 IU/Tag während über 5 Jahren) nicht seltener auf als in der Placebogruppe.

Kurzform der VITAL-DEP-Studie aus dem JAMA: Effect of Long-term Vitamin D3 Supplementation vs Placebo on Risk of Depression or Clinically Relevant Depressive Symptoms and on Change in Mood Scores

Kurzform der VITAL-Studie aus dem «New England Journal of Medicine»: Vitamin D Supplements and Prevention of Cancer and Cardiovascular Disease

«pharma-kritik»-Nummer: Vitamin D

 

Medikamente und Kounis-Syndrom

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 3. September 2020

Vor einigen Monaten haben wir darüber berichtet, dass Eisen ein Kounis-Syndrom auslösen kann, das heisst eine Überempfindlichkeitsreaktion, die sich in Koronarspasmen äussert (Parenteral verabreichtes Eisen und Kounis-Syndrom). In einem Bericht der neuseeländischen Arnzeimittelbehörde werden auch noch andere Medikamente angeführt, bei denen ein Kounis-Syndrom beobachtet worden ist, wie zum Beispiel Betalaktam-Antibiotika, nicht-steroidale Entzündungshemmer, Clopidogrel und Carboplatin.

Artikel aus dem «Prescriber Update»: Kounis syndrome – «Allergic angina» associated with some medicines

 

Fluoxetin (Fluctine® u.a.): Kein Nutzen nach Schlaganfall

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 9. September 2020

Laut experimentellen Studien besitzen selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer gewisse neuroprotektive und -regenerative Wirkungen. In zwei placebokontrollierten Doppelblindstudien – mit den Akronymen AFFINITY (n = 1280) und EFFECTS (n = 1479) – wurde deshalb bei Leuten, die einen Schlaganfall erlitten hatten, untersucht, ob eine 6-monatige Behandlung mit Fluoxetin (20 mg/Tag) auch einen klinischen Nutzen verspricht. Als primären Endpunkt mass man anhand der modifizierten Rankin-Skala die funktionelle Verbesserung am Ende der Studie. Hierbei zeigte sich in beiden Studien zwischen Fluoxetin und Placebo kein Unterschied. Unter Fluoxetin traten aber signifikant häufiger Stürze und Knochenbrüche, Fälle von Hyponatriämie und epileptische Anfälle auf.

Kurzformen der beiden Studien aus dem «Lancet Neurology»: Safety and efficacy of fluoxetine on functional outcome after acute stroke (AFFINITY): a randomised, double-blind, placebo-controlled trial und Safety and efficacy of fluoxetine on functional recovery after acute stroke (EFFECTS): a randomised, double-blind, placebo-controlled trial

 

Telmisartan (Micardis® u.a.) bremst Aneurysma-Zunahme nicht

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 12. September 2020

Vor kurzem wurde hier vorgetragen, dass Doxycyclin die Grössenzunahme eines Aortenaneurysmas nicht zu vermindern vermag (Doxycyclin [Vibramycin® u.a.] verlangsamt Aneurysma-Zunahme nicht). Eine andere Studie hat – natürlich auf anderen pathophysiologischen Überlegungen basierend – das Gleiche untersucht. 207 Patienten und Patientinnen mit einem 35 bis 49 mm messenden abdominalen Aortenaneurysma erhielten doppelblind Telmisartan (40 mg/Tag) oder Placebo. Nach 2-jähriger Behandlung liess sich bei der Aneurysma-Grösse zwischen den beiden Gruppen kein signifikanter Unterschied festhalten. Es wird allerdings eingeräumt, dass die Studie zuwenig Teststärke erreichte, um eine endgültige Aussage zu ermöglichen.

Kurzform der Studie aus dem «JAMA Cardiology»: Efficacy of Telmisartan to Slow Growth of Small Abdominal Aortic Aneurysms

 

Baricitinib (Olumiant®): Erhöhtes Divertikulitis-Risiko

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 18. September 2020

Die britische Arzneimittelbehörde berichtet, dass unter Baricitinib, einem Januskinase-Hemmer zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis, Fälle einer Divertikulitis vorgekommen sind. Ein besonderes Risiko scheint zu bestehen, wenn noch andere Medikamente eingenommen werden, die mit einem erhöhten Divertikulitis-Risiko assoziiert sind wie nicht-steroidale Entzündungshemmer, Kortikosterioide oder Opioide. Auch bei Tofacitinib, einem anderen Januskinase-Hemmer, seien Divertikulitiden beobachtet worden.

Mitteilung der «Medicines and Healthcare products Regulatory Agency»: Baricitinib: increased risk of diverticulitis, particularly in patients with risk factors

«pharma-kritik»-Text (nur mit Abonnement/Passwort zugänglich): Baricitinib

 

Gabapentin (Neurontin® u.a.) bietet keine Hilfe beim chronischen Beckenschmerzsyndrom

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 27. September 2020

In einer Doppelblindstudie wurde untersucht, ob Gabapentin dank seiner schmerzmodulierenden Eigenschaften beim chronischen Beckenschmerzsyndrom eine günstige Wirkung zeigt. 306 Frauen, die an chronischen Beckenschmerzen litten, behandelte man während 16 Wochen mit Gabapentin (Dosistitration auf 600 bis 2700 mg/Tag) oder Placebo. Der primäre Endpunkt war die maximale und die durchschnittliche Schmerzstärke in den letzten vier Studienwochen, gemessen anhand einer von 0 bis 10 reichenden Schmerzskala. Dabei konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden.

Volltext der Studie aus dem «Lancet»: Gabapentin for chronic pelvic pain in women: a multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled trial

 
September 2020
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