bad drug news

Juni 2020

Schlaflosigkeit unter Colecalciferol (Vitamin D3)

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 3. Juni 2020

Wie die WHO berichtet, enthält ihre Nebenwirkungsdatenbank 52 Meldungen zu Schlaflosigkeit, die Personen unter einer Behandlung mit Colecalciferol betreffen. Bei der Mehrheit der Fälle kommen andere Medikamente oder Ursachen als Erklärung der Schlaflosigkeit in Frage. Doch in einigen Fällen gibt es gute Argumente für einen direkten Zusammenhang; in 21 Fällen verschwand die Schlaflosigkeit mit dem Absetzen von Colecalciferol, und 7 Personen berichteten über erneute Schlaflosigkeit, nachdem sie ein zweites Mal Colecalciferol bekommen hatten. Auch aus Studien gibt es zunehmende Hinweise, dass Vitamin D eine Rolle spielt bei der Schlafregulation bzw. die Schlafquantität und -qualität beeinflusst, wobei die Mechanismen aber noch unklar sind.

Bericht aus dem «WHO Pharmaceuticals Newsletter»: Colecalciferol and insomnia

 

Antidepressiva: Sexuelle Störungen können auch nach Absetzen bestehenbleiben

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 6. Juni 2020

Serotonin-Wiederaufnahme- und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer können sexuelle Funktionsstörungen verursachen. Schon seit längerem wird vermutet, dass sexuelle Nebenwirkungen nach Absetzen dieser Antidepressiva fortbestehen können. Eine Analyse der europäischen Arzneimittelbehörde EMA ist nun ebenfalls zu diesem Schluss gekommen, so dass zu erwägen sei, die Fachinformationen mit einem entsprechenden Hinweis zu versehen.

Mitteilung der irischen Arzneimittelbehörde: Selective Serotonin Reuptake Inhibitors (SSRI) and Serotonin-norepinephrine reuptake inhibitors (SNRI) – persistent sexual dysfunction after drug withdrawal

Übersichtsartikel: Post-SSRI Sexual Dysfunction: A Literature Review

 

Neuroleptika und akute Ateminsuffizienz

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 7. Juni 2020

In einer kürzlich erschienenen Fall-Kontroll-Studie wurden rund 7000 Patienten und Patientinnen, bei denen man die Diagnose einer akuten Ateminsuffizienz codiert hatte, mit geeigneten Kontrollpersonen verglichen. Man stellte fest, dass in der Fallgruppe signifikant häufiger Neuroleptika verwendet worden waren als in der Kontrollgruppe. Die «Odds Ratio» betrug 2,33 (2,06–2,64), wenn die Neuroleptikum-Einnahme 1 bis 14 Tage vor dem Auftreten der Ateminsuffizienz stattgefunden hatte, 1,79 (1,43–2,25), wenn die Einnahme 15 bis 30 Tage, und 1,41 (1,20–1,66), wenn sie 31 bis 90 Tage zurückgelegen hatte. Der Zusammenhang war sowohl bei typischen wie atypischen Neuroleptika zu beobachten. Ausserdem war ein dosisabhängiger Effekt zu erkennen.

Kurzform der Studie aus dem «British Journal of Clinical Pharmacology »: Use of antipsychotics and the risk of acute respiratory failure among adults: A disease risk score-matched nested case-control study

 

Doxycyclin (Vibramycin® u.a.) verlangsamt Aneurysma-Zunahme nicht

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 8. Juni 2020

Es scheint, dass Metalloproteasen bei der Entstehung von Aneurysmen eine Rolle spielen. Da Tetrazykline Metalloproteasen hemmen, hat man in einer Doppelblindstudie untersucht, ob Doxycyclin der Grössenzunahme von Aneurysmen entgegenwirken kann. 254 Patienten und Patientinnen mit einem kleinen infrarenalen Aortenaneurysma erhielten zwei Jahre lang Doxycyclin (2-mal 100 mg/Tag) oder Placebo. Unter Berücksichtigung der Grössenzunahme des Aneurysmas, der Anzahl der aneurysmabedingten Eingriffe und der Todesfälle fand man zwischen den beiden Gruppen keinen signifikanten Unterschied.

Kurzform der Studie aus dem JAMA: Effect of Doxycycline on Aneurysm Growth Among Patients With Small Infrarenal Abdominal Aortic Aneurysms

 

Steroide in der Schwangerschaft erhöhen Risiko einer psychischen Erkrankung beim Kind

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 17. Juni 2020

Schwangeren Frauen, bei denen eine Frühgeburt droht, verabreicht man Steroide, um die fetale Lungenreifung zu beschleunigen und die Gefahr gewisser neonataler Komplikationen zu senken. Während der unmittelbare Nutzen der Steroidprophylaxe für das Neugeborene unbestritten ist, birgt sie gemäss einer aktuellen retrospektiven Kohortenstudie vermutlich doch gewisse Risiken: so beobachtete man, dass nach einer intrauterinen Steroidexposition sich später in der Kindheit signifikant häufiger psychische Erkrankungen entwickelten als in der Kontrollgruppe ohne Steroidexposition, und zwar mit einer «Hazard Ratio» von 1,33 (1,26–1,41).

Kurzform der Studie aus dem JAMA: Associations Between Maternal Antenatal Corticosteroid Treatment and Mental and Behavioral Disorders in Children

Vorausgegangener BDN-Text: Steroide können Frühgeburtlichkeit erhöhen

 

Lokale Nekrosen durch Fulvestrant (Faslodex® u.a.)

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 24. Juni 2020

Bei Fulvestrant, einem intramuskulär verabreichten Östrogenrezeptor-Antagonisten zur Behandlung beim fortgeschrittenen Mammakarzinom, sind Fälle von Ulzera oder Nekrosen an der Injektionsstelle vorgekommen. Diese Nebenwirkung wird nun in die japanische Fachinformation aufgenommen.

Mitteilung der japanischen Arzneimittelbehörde: Summary of Investigation Results – Fulvestrant

Übersicht zu Fulvestrant: Clinical utility of fulvestrant in the treatment of breast cancer: a report on the emerging clinical evidence

 
Juni 2020
Copyright © 2020 Infomed-Verlags-AG

pharma-kritik abonnieren

infomed-screen abonnieren

100 wichtige Medikamente

mailingliste abonnieren

Ressourcen Links
Bad Drug News index
pharma-kritik abonnemente
infomed-screen abonnemente
pharma-kritik neu im web
aktueller pharma-kritik jahrgang