bad drug news

April 2020

Mesalazin (Asacol® u.a.) und Nierensteine

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 2. April 2020

Die Fachinformation zu Mesalazin (5-Aminosalicylsäure), das bei chronischen entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt wird, ist mit dem Warnhinweis ergänzt worden, dass es in seltenen Fällen Nierensteine verursachen kann. Mesalazin und sein Metabolit, Acetyl-5-Aminosalicylsäure, werden auch über die Nieren ausgeschieden und können bei ungenügender Hydrierung auskristallisieren. Unter einer Mesalazin-Behandlung ist deshalb auf eine reichliche Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Von der holländischen Arzneimittelbehörde zusammengestellte Fallserie: Mesalazine treatment and urinary stones composed of mesalazine

 

Neue Hepatitis-C-Medikamente und Dysglykämien

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 6. April 2020

Direkt wirkende antivirale Substanzen, die zur Behandlung der Hepatitis C zur Verfügung stehen, scheinen den Blutzucker-Spiegel beeinflussen zu können. So gibt es deutliche Hinweise, dass diese Medikamente bei Diabeteskranken das Risiko einer Hypoglykämie erhöhen. Andererseits sind unter einer Behandlung mit diesen Mitteln auch Fälle von Hyperglykämien bzw. eines neu diagnostizierten Diabetes mellitus beobachtet worden.

Mitteilung von «Health Canada»: Direct-acting antivirals – Assessing the potential risk of abnormal blood sugar levels (dysglycemia)

 

Desinfektionsmittel: Hände weg von Eigenprodukten

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 8. April 2020

Um sich vor einer Coronavirus-Infektion zu schützen, vertrauen viele Leute auf Händedesinfektionsmittel. Wie die kanadische Gesundheitsbehörde betont, sollen hierfür aber keine selbst hergestellten Mischungen, sondern nur offiziell zugelassene Präparate verwendet werden. In den Rezepturen für Eigenprodukte – wie man sie zum Beispiel im Internet findet – sei die angegebene Alkoholkonzentration nicht immer genügend hoch; auch seien solche Eigenprodukte mit einem erhöhten Risiko für Hautirritationen und -sensibilisierungen behaftet. Selbst die von der WHO empfohlene Rezeptur wird als nicht geeignet bezeichnet. Eine meist ebenso nützliche Alternative zu Desinfektionsmitteln sei 20 Sekunden langes Händewaschen mit Seife.

Mitteilung von «Health Canada»: Homemade hand sanitizers may present health risks

 

Diclofenac (Voltaren® u.a.) wird in Schweden generell rezeptpflichtig

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 9. April 2020

Nachdem eine dänische Kohortenstudie erneut zum Schluss geführt hatte, dass die kardiovaskulären Risiken von Diclofenac signifikant höher liegen als beispielsweise bei Ibuprofen (Brufen® u.a.) oder Naproxen (Apranax® u.a.), hat die schwedische Arzneimittelbehörde nun reagiert und stellt alle oralen Diclofenac-Verabreichungsformen unter Rezeptpflicht, also auch die «niedrig» dosierten Tabletten mit 25 mg.

Mitteilung zur schwedischen Anordnung: Sweden Bans Over-the-Counter Sales of Painkiller over Heart Failure Fears

Volltext der erwähnten Kohortenstudie aus dem BMJ: Diclofenac use and cardiovascular risks: series of nationwide cohort studies

 

Kopfschmerzen bei Etanercept (Enbrel® u.a.)

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 15. April 2020

Der holländischen Arzneimittelbehörde sind in den letzten zwanzig Jahren 39 Meldungen zugestellt worden, in denen über Kopfschmerzen in Zusammenhang mit dem subkutan verabreichten TNF-α-Hemmer Etanercept berichtet wird. Bei 16 dieser Meldungen war explizit erwähnt, dass die Kopfschmerzen zum Zeitpunkt der Verabreichung aufgetreten seien. Einige der betroffenen Personen klagten bei erneuter Etanercept-Gabe wiederum über Kopfschmerzen. Es scheint, dass die Kopfschmerzen in der Regel innerhalb weniger Tage verschwinden. Ausgelöst werden die Kopfschmerzen möglicherweise durch eine starke Zytokin-Ausschüttung, wie sie durch Etanercept induziert werden kann.

Mitteilung der holländischen Arzneimittelbehörde: Etanercept and headache

 

Chlortalidon nicht besser als Hydrochlorothiazid (Esidrex®)

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 18. April 2020

Bislang galt mehrheitlich die Meinung, dass Chlortalidon (das in der Schweiz nicht mehr als Monosubstanz erhältlich ist) das vorteilhafteste Thiazid-Diuretikum sei, um eine arterielle Hypertonie zu behandeln. Nun hat eine retrospektive Kohortenstudie, in welcher die Daten von über 730’000 Personen einflossen, gezeigt, dass das Nutzen/Risiko-Verhältnis von Hydrochlorothiazid mindestens so gut ist wie bei Chlortalidon. Bei der Verhütung von Herzinfarkten, herzinsuffizienzbedingten Hospitalisationen und Schlaganfällen fand man zwischen den beiden Thiaziden keine signifikanten Unterschiede. Dagegen traten unter Chlortalidon signifikant häufiger Elektrolyt- und Nierenfunktionsstörungen sowie ein Typ-2-Diabetes auf. Bei Hydrochlorothiazid war es einzig die Gewichtszunahme, von der mehr Behandelte betroffen waren als unter Chlortalidon.

Volltext der Studie aus «JAMA Internal Medicine»: Comparison of Cardiovascular and Safety Outcomes of Chlorthalidone vs Hydrochlorothiazide to Treat Hypertension

 

Eplerenon (Inspra® u.a.) nicht hilfreich bei zentraler seröser Chorioretinopathie

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 22. April 2020

Die zentrale seröse Chorioretinopathie ist eine relativ häufige Netzhauterkrankung, die durch eine Flüssigkeitsansammlung unter der Retina gekennzeichnet ist. Oft bildet sich die Erkrankung von selbst zurück, sie kann aber auch einen chronischen Verlauf nehmen. In solchen Fällen griffen Augenärzte und -ärztinnen unter anderem auf Aldosteronantagonisten zurück, denen man eine gewisse Wirkung zusprach. In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie zeigte sich nun aber, dass Eplerenon (50 mg/Tag während max. 1 Jahr) die Sehschärfe nicht signifikant zu verbessern vermag.

Kurzform der Studie aus dem «Lancet»: Eplerenone for chronic central serous chorioretinopathy in patients with active, previously untreated disease for more than 4 months (VICI): a randomised, double-blind, placebo-controlled trial

 

Benzodiazepine: Erhöhtes Risiko eines akuten Winkelblockglaukoms

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 27. April 2020

In einer koreanischen Studie, die nach dem sogenannten «Case-Crossover»-Design durchgeführt worden war, zeigte sich, dass Benzodiazepine mit einem erhöhten Risiko eines akuten Winkelblockglaukoms verbunden sind («Odds Ratio» = 1,40 [1,27–1,54]). Dieser Befund traf sowohl auf kurz- als auch langwirkende Benzodiazepine zu.

Kurzform der Studie aus «Drug Safety»: Benzodiazepine Use and Risk of Acute Angle-Closure Glaucoma: A Population-Based Case-Crossover Study

 

Lungenfibrosen unter Apalutamid (Erleada®) und Enzalutamid (Xtandi®)

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 29. April 2020

Wie die japanische Arzneimittelbehörde gemeldet hat, sind unter Apalutamid und Enzalutamid, beides Androgen-Rezeptor-Antagonisten zur Behandlung des Prostatakarzinoms, Fälle von interstitiellen Lungenerkrankungen vorgekommen. Insgesamt vier Personen sind an der Lungenfibrose gestorben, wobei ein kausaler Zusammenhang mit den Antiandrogen weder als bestätigt noch als ausgeschlossen betrachtet werden könne.

Mitteilungen der japanischen Arzneimittelbehörde: Summary of Investigation Results – Apalutamide und Summary of Investigation Results – Enzalutamide

 
April 2020
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