bad drug news

Mai 2019

Antiepileptika bei Alzheimerkranken: Auch erhöhtes Pneumonierisiko

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 3. Mai 2019

Vor knapp einem halben Jahr haben wir über eine finnische Kohortenstudie berichtet, bei der sich gezeigt hatte, dass Antiepileptika bei Alzheimerkranken mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko verbunden sind (Antiepileptika bei Alzheimerkranken: Erhöhtes Schlaganfallrisiko). Nun ist eine Folgepublikation erschienen, die – auf den Daten der gleichen Kohorte basierend – zum Schluss kommt, dass bei Leuten mit einer Alzheimerdemenz auch häufiger Pneumonien vorkommen, wenn sie mit Antiepileptika behandelt werden; als «Hazard Ratio» berechnete man einen Wert von 1,92 (1,63–2,26).

Volltext der Studie aus dem «Journal of Alzheimer’s Disease»: Antiepileptic Drug Use Is Associated with an Increased Risk of Pneumonia Among Community-Dwelling Persons with Alzheimer’s Disease

 

Sonnenschutzmittel: UV-Filter unproblematisch?

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 8. Mai 2019

In einer pharmakokinetischen Studie wurde untersucht, in welchem Ausmass Substanzen in Sonnenschutzmitteln resorbiert werden, die als UV-Filter wirken; namentlich handelte es sich um Avobenzon, Oxybenzon, Octocrilen und Ecamsul. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen trugen die Sonnenschutzmittel an vier Tagen 4-mal pro Tag auf, in einer Menge von 2 mg/cm², verteilt auf 75% der Körperoberfläche (Anteil, der nicht vom Badeanzug bedeckt wird). Gleichzeitig wurden während sieben Tagen regelmässige Plasmaspiegel-Kontrollen durchgeführt. Bei allen vier UV-Filtern wurden Plasmakonzentrationen gemessen, die oberhalb einer Schwelle von 0,5 ng/ml lagen. Mit dem Überschreiten dieser Grenze wären nach FDA-Kriterien zusätzliche toxikologische Studien erforderlich, um zu belegen, dass die erreichten Plasmaspiegel als unbedenklich betrachtet werden können.

Volltext der Studie aus dem JAMA: Effect of Sunscreen Application Under Maximal Use Conditions on Plasma Concentration of Sunscreen Active Ingredients

 

Modafinil (Modasomil® u.a.) und Teratogenität

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 9. Mai 2019

Fallberichte lassen vermuten, dass Modafinil schwere angeborene Fehlbildungen verursachen kann; ein charakteristisches Missbildungsmuster ist bislang nicht erkennbar. Modafinil darf deshalb in der Schwangerschaft nicht verwendet werden; Frauen im gebärfähigen Alter, die einer Behandlung mit Modafinil bedürfen, müssen eine zuverlässige Verhütung durchführen, wobei zu beachten ist, dass Modafinil Zytochrome induzieren und die Wirkung von oralen Kontrazeptiva vermindern kann.

In Deutschland veröffentlichter «Rote-Hand-Brief»: Modafinil: Mögliches Risiko schwerer angeborener Fehlbildungen

 

Risiken von Fluconazol (Diflucan® u.a.) in der Schwangerschaft

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 15. Mai 2019

Vor drei Jahren wurde hier darüber berichtet, dass oral verabreichtes Fluconazol bei schwangeren Frauen das Abortrisiko erhöht (Erhöhtes Abortrisiko durch Fluconazol [Diflucan® u.a.]?). Diese Beobachtung wurde nun in einer kanadischen Fall-Kontroll-Studie bestätigt. Ausserdem zeigte sich in dieser neuen Studie ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Einnahme einer höheren Fluconazol-Dosis (mehr als 150 mg) und dem Auftreten von Herzseptumdefekten beim Kind.

Volltext der Studie aus dem «Canadian Medical Association Journal»: Associations between low- and high-dose oral fluconazole and pregnancy outcomes

 

Dabigatran (Pradaxa®) nach kryptogenem Schlaganfall nicht besser als Acetylsalicylsäure

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 24. Mai 2019

In einer Doppelblindstudie befasste man sich mit über 5000 Patienten und Patientinnen, bei denen ein embolisch bedingter Schlaganfall diagnostiziert, die Emboliequelle aber nicht identifiziert worden war. Sie erhielten entweder Dabigatran (2-mal 110 oder 150 mg/Tag) oder Acetylsalicylsäure (100 mg/Tag). Das Auftreten eines erneuten Schlaganfalls (jedweder Ursache) galt als primärer Endpunkt. Die Inzidenz dieses Ereignisses betrug in der Dabigatran-Gruppe 4,1% und in der Acetylsalicylsäure-Gruppe 4,8% pro Jahr, was einer «Hazard Ratio» von 0,85 (0,69–1,03) entsprach. Auch bei den relevanten sekundären Endpunkten und bei der Häufigkeit von schwerwiegenden Blutungen fand man keine signifikanten Unterschiede.

Kurzform der Studie aus dem «New England Journal of Medicine»: Dabigatran for Prevention of Stroke after Embolic Stroke of Undetermined Source

 

Gabapentin (Neurontin® u.a.): Nur marginaler Nutzen bei Alkoholabhängigkeit

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 30. Mai 2019

Es existieren Leitlinien, in denen Gabapentin als Behandlungsmöglichkeit bei Alkoholabhängigkeit erwähnt wird. In einer Metaanalyse zeigte sich nun aber, dass eine Gabapentin-Behandlung bei Alkoholkranken nur wenig Erfolg verspricht. Im Vergleich zu Placebo vermochte Gabapentin lediglich die Anzahl der Tage zu reduzieren, an denen übermässig getrunken wurde. Abstinenz- und Rückfallraten wurden durch Gabapentin nicht signifikant verbessert.

Kurzform der Studie aus «Addiction»: A Meta-analysis of the Efficacy of Gabapentin for Treating Alcohol Use Disorder

 
Mai 2019
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