bad drug news

Dezember 2018

Antibiotikaprophylaxe bei Rhinoplastik: Keine Reduktion der Infektrate

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 6. Dezember 2018

Eine Antibiotikaprophylaxe ist bei einer Rhinoplastik offenbar eine häufige Massnahme. Eine Metaanalyse, die fünf randomisierte Studien umfasst, zeigt nun aber, dass Antibiotika, unmittelbar vor oder nach einer Rhinoplastik verabreicht, im Allgemeinen keinen Einfluss auf das Infektionsrisiko haben; im Vergleich zu den nicht oder mit Placebo behandelten Kontrollgruppen ergab sich eine «Risk Ratio» von 0,92 (95% CI 0,35–2,43). Dadurch soll nicht ausgeschlossen werden, dass eine Antibiotikaprophylaxe im Einzelfall aufgrund der klinischen Situation trotzdem als sinnvoll betrachtet werden kann.

Kurzform der Metaanalyse aus dem «JAMA Facial Plastic Surgery»: Evaluation of Antibiotic Prophylaxis in Rhinoplasty: A Systematic Review and Meta-analysis

 

Ponatinib (Iclusig®): Fälle von posteriorer reversibler Enzephalopathie

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 8. Dezember 2018

Die britische Arzneimittelbehörde hat eine Warnung herausgegeben, dass unter Ponatinib – einem Tyrosinkinase-Hemmer zur Behandlung gewisser Formen von chronischer myeloischer und akuter lymphoblastischer Leukämie – Fälle eines posterioren reversiblen Enzephalopathie-Syndroms (PRES) vorgekommen sind. Zu den Leitsymptomen eines PRES gehören akute Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Seh- und Bewusstseinsstörungen. Es wird geschätzt, dass sich bei bis zu 1% der Ponatinib-Behandelten ein PRES entwickeln kann.

Mitteilung der «Medicines and Healthcare products Regulatory Agency»: Ponatinib: reports of posterior reversible encephalopathy syndrome

Übersichten zu Ponatinib und zum PRES

 

Baclofen (Lioresal®) bei Alkoholabhängigkeit: Gefährlicher als andere Medikamente

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 11. Dezember 2018

Baclofen ist eines der Medikamente, das für die Behandlung einer Alkoholabhängigkeit in Erwägung gezogen wird. Zum Beispiel in Frankreich scheint diese «Off-label»-Anwendung verbreitet zu sein. In einer Kohortenstudie zeigte sich aber, dass mit Baclofen das Hospitalisations- und Sterberisiko signifikant höher liegt als mit anderen Substanzen wie Acamprosat (Campral®), Naltrexon (Naltrexin®) oder Nalmefen (Selincro®), die bei Alkoholabhängigkeit verschrieben werden.

Volltext der Studie aus «Pharmacoepidemiology and Drug Safety»: Risk of hospitalisation and death related to baclofen for alcohol use disorders: Comparison with nalmefene, acamprosate, and naltrexone in a cohort study of 165’334 patients between 2009 and 2015 in France

Übersichtsartikel: Long-term drug treatment of patients with alcohol dependence

 

Hypogammaglobulinämie durch Clozapin (Leponex® u.a.)

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 13. Dezember 2018

In einer Kohortenstudie – durchgeführt bei Leuten mit einer Schizophrenie – wurden Patienten und Patientinnen, die mit Clozapin behandelt wurden, mit solchen verglichen, die irgendein anderes Neuroleptikum bekamen. Bei den drei Immunglobulin-Klassen IgG, IgA und IgM wurden in der Clozapin-Gruppe signifikant niedrigere Werte gemessen als in der Vergleichsgruppe. Dieser Befund wäre eine mögliche Erklärung für die Beobachtung, dass Clozapin das Auftreten von Pneumonien zu begünstigen scheint.

Volltext der Studie aus dem «British Journal of Psychiatry»: Clozapine is associated with secondary antibody deficiency

 

Antiepileptika bei Alzheimerkranken: Erhöhtes Schlaganfallrisiko

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 14. Dezember 2018

In einer finnischen Kohortenstudie verglich man über 5000 Patienten und Patientinnen mit Alzheimerdemenz, die ein Antiepileptikum erhielten, mit einer gleich grossen Kontrollgruppe, bestehend aus Alzheimerkranken, die kein Antiepileptikum einnahmen. Man stellte fest, dass bei den mit Antiepileptika Behandelten signifikant häufiger Schlaganfälle auftraten als bei den Individuen in der anderen Gruppe (HR 1,37 [1,07–1,74]). Am höchsten war das Risiko in den ersten drei Monaten der Behandlung; bei einer Antiepileptika-Verabreichung von mehr als sechs Monaten war der Unterschied zwischen den beiden Gruppen verwischt.

Volltext der Studie aus dem «Journal of the American Heart Association»: Antiepileptic Drug Use and the Risk of Stroke Among Community–Dwelling People With Alzheimer Disease: A Matched Cohort Study

 

Kleinkinder mit Gastroenteritis profitieren nicht von Probiotika

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 17. Dezember 2018

In zwei Doppelblindstudien – die eine in den USA, die andere in Kanada durchgeführt – wurde untersucht, ob Probiotika bei Kleinkindern den Verlauf einer Gastroenteritis zu beeinflussen vermögen. Die beiden Studien folgten einem ähnlichen Protokoll; insgesamt zählten sie fast 1800 Kinder im Alter von 3 Monaten bis 4 Jahren, die wegen einer akuten Gastroenteritis auf eine Notfallstation gebracht worden waren. Die Kinder erhielten während fünf Tagen zweimal pro Tag entweder ein Probiotikum mit Laktobazillen oder Placebo. Der Verlauf der Gastroenteritis wurde durch das Probiotikum nicht verbessert: in beiden Studien unterschied sich der Anteil der Kinder, bei denen die Gastroenteritis-Episode als mittelschwer bis schwer wiegend beurteilt wurde, in der Probiotikum- und Placebo-Gruppe nicht signifikant.

Kurzformen der Studien aus dem «New England Journal of Medicine»: Lactobacillus rhamnosus GG versus Placebo for Acute Gastroenteritis in Children und Multicenter Trial of a Combination Probiotic for Children with Gastroenteritis

«pharma-kritik»-Text: Probiotika

 

Gabapentin (Neurontin® u.a.): Erhöhtes Suizidrisiko bei bipolarer Erkrankung

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 18. Dezember 2018

In einer retrospektiven Beobachtungsstudie befasste man sich mit Patientinnen und Patienten, bei denen wegen einer bipolaren Erkrankung Gabapentin oder Lithium verordnet worden war. Die Häufigkeit von Suizidversuchen oder selbstgefährdendem Verhalten betrug in der Gabapentin-Gruppe 22,9, in der Lithium-Gruppe 11,3 pro 1000 Personenjahre, was – mit einer bereinigten «Hazard Ratio» von 2,3 (1,2–4,5) – einem signifikanten Unterschied entsprach.

Kurzform der Studie aus «International Clinical Psychopharmacology»: The association between gabapentin and suicidality in bipolar patients

 

Vorsicht gegenüber hohen Vitamin-B6-Dosen

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 21. Dezember 2018

Hohe Vitamin-B6-Dosen scheinen eine Neuropathie verursachen zu können. Der holländischen Arzneimittelbehörde liegen Berichte zu über hundert Fällen vor, die eine Neuropathie im Zusammenhang mit der Einnahme von frei verkäuflichen Vitamin-B6-haltigen Präparaten beschreiben. Deshalb gelten in Holland seit Kurzem neue Limiten, und zwar dürfen nicht mehr als 21 mg Vitamin B6 pro Tag zugeführt werden; für Kinder sind – altersabhängig – niedrigere Grenzwerte festgelegt.

Mitteilung der holländischen Arzneimittelbehörde: Maximum daily dose of vitamin B6 in dietary supplements has now been legally established in the Netherlands

Kurzform der holländischen Fallserie aus «Drug Safety»: Vitamin B6 in Health Supplements and Neuropathy: Case Series Assessment of Spontaneously Reported Cases

 

Niedrigdosierte Acetylsalicylsäure (Aspirin® u.a.): Helicobacter-Infektion verdoppelt Blutungsrisiko

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 28. Dezember 2018

In einer australischen Metaanalyse wurden sieben Fall-Kontroll-Studien ausgewertet, bei denen Personen mit einer Ulkusblutung jeweils einer Kontroll-Gruppe gegenübergestellt worden waren. Man stellte fest, dass bei Patienten und Patientinnen, die zur Plättchenhemmung niedrigdosierte Acetylsalicylsäure einnahmen (max. 325 mg/Tag), Blutungen signifikant häufiger auftraten, wenn gleichzeitig eine Infektion mit Helicobacter pylori bestand: der Vergleich zwischen helicobacterpositiven und -negativen Individuen ergab eine «Odds Ratio» von 2,32 (1,25–4,33).

Kurzform der Metaanalyse aus dem «Medical Journal of Australia»: Helicobacter pylori infection and the risk of upper gastrointestinal bleeding in low dose aspirin users: systematic review and meta-analysis

 
Dezember 2018
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