bad drug news

Mai 2017

Magnesium: kein Vorteil bei Wadenkrämpfen

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 2. Mai 2017

Die bislang durchgeführten Studien, in denen die Wirksamkeit von Magnesium bei Wadenkrämpfen geprüft worden war, haben widersprüchliche Resultate geliefert. Eine neue Doppelblindstudie unterstützt die Hypothese, dass Magnesium wenig hilfreich ist: 94 Personen, die unter nächtlichen Wadenkrämpfen litten, nahmen während 4 Wochen vor dem Schlafengehen entweder Magnesium (520 mg elementares Magnesium, als Oxid verabreicht) oder Placebo. Mit Magnesium sank die Häufigkeit von Wadenkrämpfen im Durchschnitt von 7,8 auf 4,4 pro Woche, mit Placebo von 8,5 auf 5,5 pro Woche, was keinen signifikanten Unterschied bedeutete.

Kurzform der Studie aus dem «JAMA Internal Medicine»: Effect of Magnesium Oxide Supplementation on Nocturnal Leg Cramps

 

Bei Impfungen in den Oberarm auf richtige Stelle achten

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 3. Mai 2017

Wie mehrere Fallberichte zeigen, kann bei einer nicht korrekt platzierten Impfung in den Oberarm die Bursa subacromialis getroffen werden – was eine aseptische Entzündung dieses Schleimbeutels verursachen kann. Deshalb ist darauf zu achten, dass die Injektionsstelle einige Zentimeter distal der Bursa subacromialis liegt.

Artikel aus «Arzneiverordnung in der Praxis» (mit Beschreibung der korrekten Injektionsstelle): Beim Impfen an die Bursa subacromialis denken!

 

Antipyretika bei septischem Fieber: Kein Einfluss auf die Mortalität

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 8. Mai 2017

In einer Metaanalyse wurden acht kontrollierte und acht Beobachtungsstudien zusammengefasst, in denen Patienten und Patientinnen mit einer Sepsis zur Fiebersenkung Paracetamol oder einen nicht-steroidalen Entzündungshemmer erhalten hatten. Als primärer Endpunkt wurde die 28-Tages-Mortalität in Antipyretika- und Kontrollgruppen verglichen. Mit Antipyretika liess sich die 28-Tages-Mortalität zwar minim senken, der Unterschied war jedoch nicht signifikant: bei den kontrollierten Studien ergab sich ein relatives Risiko von 0,93 (0,79–1,09), bei den Beobachtungsstudien eine «Odds Ratio» von 0,90 (0,54–1,51).

Volltext der Metaanalyse aus «Critical Care Medicine»: Antipyretic Therapy in Critically Ill Septic Patients: A Systematic Review and Meta-Analysis

 

Depressionen unter 5α-Reduktasehemmern

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 9. Mai 2017

In einer retrospektiven Kohortenstudie, die ein Gesamtkollektiv von rund 186’000 Männern umfasste, wurde der Verdacht untersucht, wonach die 5α-Reduktasehemmer Finasterid (Proscar® u.a.) und Dutasterid (Avodart®) zu vermehrten Suiziden führen würden. Dieser vermutete Zusammenhang konnte in der Studie aber nicht bestätigt werden. Freilich zählte man bei Männern, die 5α-Reduktasehemmer nahmen, in den ersten 1½ Jahren der Behandlung signifikant häufiger Fälle von Depressionen (HR 1,94 [1,73–2,16]) sowie von Suiziddrohungen und ‑versuchen oder anderem selbstschädigendem Verhalten (HR 1,88 [1,34–2,64]).

Volltext der Studie aus «JAMA Internal Medicine»: Association of Suicidality and Depression With 5α-Reductase Inhibitors

Früherer BDN-Text zum Thema: Finasterid und Suizidalität

 

Schwere Hautreaktionen unter Darbepoetin alfa (Aranesp®)

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 10. Mai 2017

Die kanadische Arzneimittelbehörde hat eine Warnung veröffentlicht, dass Darbepoetin alfa in seltenen Fällen schwere Hautreaktionen verursachen kann: weltweit seien bislang 11 Fälle eines Stevens-Johnson-Syndroms und 4 Fälle einer toxischen epidermalen Nekrolyse gemeldet worden.

Mitteilung von «Health Canada»: Darbepoetin alfa – Risk of Severe Skin Reactions: Stevens-Johnson Syndrome and Toxic Epidermal Necrolysis

 

Abort-Risiko durch Antibiotika

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 15. Mai 2017

Bei Frauen, die in der Frühschwangerschaft Antibiotika erhalten, steigt möglicherweise das Risiko eines Spontanaborts – so lautet das Ergebnis einer kanadischen Fall-Kontroll-Studie. Rund 8’700 Frauen, die vor der 20. Schwangerschaftswoche einen Spontanabort erlitten hatten, wurden mit einer Kontrollgruppe verglichen. Es zeigte sich, dass in der Fallgruppe folgende Antibiotika signifikant häufiger verschrieben worden waren als in der Kontrollgruppe: Azithromycin (Zithromax® u.a.; OR 1,65 [1,34–2,02]), Clarithromycin (Klacid® u.a.; OR 2,35 [1,90–2,91]), Metronidazol (Flagyl® u.a.; OR 1,70 [1,27–2,26]), Chinolone (OR 2,72 [2,27–3,27]), Sulfonamide (OR 2,01 [1,36–2,97]) und Tetrazykline (OR 2,59 [1,97–3,41]). Bei der Penicillin- und Cephalosporin-Exposition fand sich zwischen Fall- und Kontrollgruppe kein Unterschied.

Volltext der Studie aus dem «Canadian Medical Association Journal»: Use of antibiotics during pregnancy and risk of spontaneous abortion

 

Kolonadenom-Risiko durch Antibiotika

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 17. Mai 2017

In einer Kohortenstudie – durchgeführt bei einer Gruppe von Frauen, die sich für die «Nurses’ Health Study» zur Verfügung gestellt hatten – wurde festgestellt, dass mit zunehmender Antibiotika-Exposition das Risiko von Kolonadenomen steigt. Verglichen mit Frauen, die keine Antibiotika bekommen hatten, wiesen Frauen, bei denen sich die Dauer einer Antibiotika-Einnahme auf ein Total von mindestens 2 Monaten summierte, ein signifikant höheres Adenomrisiko auf: wenn die Antibiotika-Einnahme in jüngeren Erwachsenenjahren (20 bis 39 Jahre) stattgefunden hatte, betrug die «Odds Ratio» 1,36 (1,03–1,79), wenn sie in mittleren Erwachsenenjahren stattgefunden hatte (40 bis 59 Jahre), 1,69 (1,24–2,31).

Kurzform der Studie aus «Gut»: Long-term use of antibiotics and risk of colorectal adenoma

 

Orales Eisen bei Herzinsuffizienz wenig dienlich

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 23. Mai 2017

225 Patienten oder Patientinnen, die an einer Linksherzinsuffizienz mit einer Auswurffraktion unter 40% litten und einen Eisenmangel aufwiesen, wurden doppelblind mit oralem Eisen (2-mal 150 mg/Tag) oder Placebo behandelt. Dabei fand sich bei der maximalen Sauerstoffaufnahme, die nach 16 Wochen gemessen wurde, zwischen den beiden Gruppen kein signifikanter Unterschied. Auch die 6-Minuten-Gehstrecke liess sich durch die Eisengabe nicht wesentlich verbessern.

Kurzform der Studie aus dem JAMA: Effect of Oral Iron Repletion on Exercise Capacity in Patients With Heart Failure With Reduced Ejection Fraction and Iron Deficiency

 

Intraartikuläres Steroid: Mehr Schaden als Nutzen

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 24. Mai 2017

In einer Doppelblindstudie erhielten 140 Personen mit einer symptomatischen Kniearthrose alle drei Monate eine intraartikuläre Injektion mit 40 mg Triamcinolon (Kenacort® u.a.) oder mit Placebo. Nach zwei Jahren bestimmte man via Magnetresonanztomografie Knorpeldicke bzw. -volumen. Dabei liess sich in der Triamcinolon-Gruppe eine signifikant stärkere Abnahme feststellen als in der Placebo-Gruppe. Bei anderen Endpunkten (Schmerzen, funktionellen Prüfungen) fand sich zwischen den beiden Gruppen kein signifikanter Unterschied.

Kurzform der Studie aus dem JAMA: Effect of Intra-articular Triamcinolone vs Saline on Knee Cartilage Volume and Pain in Patients With Knee Osteoarthritis

 

Schlafmittel und Hüftfraktur-Risiko

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 29. Mai 2017

Nun wurde in einer Metaanalyse nochmals bestätigt, dass Benzodiazepine und Z-Medikamente (Zolpidem [Stilnox® u.a.], Zopiclon [Imovane® u.a.]) das Risiko von Hüftfrakturen erhöhen. Das relative Risiko betrug für Benzodiazepine 1,52 (95% CI 1,37–1,68) und für Z-Medikamente 1,90 (1,68–2,13). Am höchsten scheint das Hüftfraktur-Risiko am Anfang einer Behandlung mit Benzodiazepinen oder Z-Medikamenten zu sein.

Volltext der Metanalyse aus «PloS ONE»: Benzodiazepines, Z-drugs and the risk of hip fracture: A systematic review and meta-analysis

 
Mai 2017
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