bad drug news

Februar 2017

Lichen planus und Vaskulitis unter Denosumab

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 3. Februar 2017

Denosumab wird unter dem Namen Prolia® als Osteoporose-Medikament und unter dem Namen XGEVA® als Medikament gegen Skelettmetastasen vermarktet. Die WHO berichtet von zwei neuen Problemen, die sich als mögliche Nebenwirkungen dieser Substanz interpretieren lassen. Zum einen handelt es sich um einen Lichen planus, von dem weltweit 14 Fälle gemeldet worden sind, die unter einer Behandlung mit Denosumab aufgetreten waren. Zum anderen sind es 30 Fälle einer Vaskulitis, bei denen ebenfalls ein Zusammenhang mit Denosumab vermutet werden kann.

Fallserien aus dem «WHO Pharmaceuticals Newsletter»: Denosumab and lichen planus und Denosumab and vasculitis

 

Duloxetin: Nebenwirkungsreiche Inkontinenz-Behandlung

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 7. Februar 2017

Duloxetin ist in den EU-Ländern nicht nur bei Depressionen und neuropathischen Schmerzen zugelassen, sondern – im Gegensatz zur Schweiz – auch zur Behandlung einer Stressinkontinenz bei Frauen. In einer Metaanalyse liess sich bestätigen, dass Duloxetin (2-mal 40 mg/Tag) bei Stressinkontinenz die Inkontinenzepisoden verringert und die Lebensqualität verbessert. Die Unterschiede gegenüber Placebo sind zwar statistisch signifikant, in der klinischen Bedeutung aber marginal. Stellte man dem ferner die aufgetretenen Nebenwirkungen gegenüber, ergab sich, dass die «number needed to treat» (NNT) und die «number needed to harm» (NNH) für Duloxetin so nahe beieinanderliegen, dass nicht von einem positiven Nutzen-Risiko-Verhältnis ausgegangen werden kann.

Volltext der Metaanalyse aus dem «Canadian Medical Association Journal»: Considering benefits and harms of duloxetine for treatment of stress urinary incontinence: a meta-analysis of clinical study reports

 

Heparininduzierte Thrombozytopenie

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 10. Februar 2017

Die heparininduzierte Thrombozytopenie ist eine durch Antikörper vermittelte, potentiell tödliche Nebenwirkung, die bei unfraktionierten Heparinen in ungefähr 2,5% der Fälle und bei niedermolekularen Heparinen in ungefähr 0,2% der Fälle vorkommt. Typisch ist ein Abfall der Thrombozytenzahl um mindestens 50%, der 5 bis 10 Tage nach Therapiebeginn beobachtet wird, nicht selten begleitet von Thrombosen oder thromboembolischen Komplikationen. Bei Auftreten dieser Nebenwirkung sollte die Heparinbehandlung sofort gestoppt werden.
Eine Kurzzusammenfassung zur heparininduzierte Thrombozytopenie findet sich in der aktuellen Nummer des neuseeländischen «Prescriber Update».

Artikel aus dem «Prescriber Update»: Don’t get HIT: Heparin-induced Thrombocytopenia

 

Zweijährige orale Behandlung mit Lieschgras-Pollen ungenügend

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 15. Februar 2017

Sublingualtabletten mit einem Lieschgras-Pollenextrakt (Grazax®) werden zur Immuntherapie bei allergischer Rhinokonjunktivitis empfohlen. Wie Studien zeigten, kann man eine auch längerfristig anhaltende positive Wirkung erwarten, wenn dieser Pollenextrakt über drei Jahren verwendet wird. In einer aktuellen Studie wurde nun untersucht, ob sich – zum Beispiel um Kosten zu sparen – die Behandlung auf zwei Jahre verkürzen lässt. Dabei fand man ein Jahr nach Abschluss der Behandlung bei den nasalen Symptomen (Nasenlaufen, Juckreiz u.a.) allerdings keinen Unterschied zwischen dem Pollenextrakt und Placebo.

Kurzform der aktuellen Studie aus dem JAMA: Effect of 2 Years of Treatment With Sublingual Grass Pollen Immunotherapy on Nasal Response to Allergen Challenge at 3 Years Among Patients With Moderate to Severe Seasonal Allergic Rhinitis

Vorausgegangene Studien zum Lieschgras-Pollenextrakt:  SQ-standardized sublingual grass immunotherapy: Confirmation of disease modification 2 years after 3 years of treatment in a randomized trial und Prolonged efficacy of the 300IR 5-grass pollen tablet up to 2 years after treatment cessation, as measured by a recommended daily combined score

«pharma-kritik»-Text: Lieschgras-Allergene

 

Medikamentenbedingte Schlafstörungen

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 21. Februar 2017

Das amerikanische «Institute for Safe Medication Practices» hat – basierend auf den der FDA zugestellten Spontanmeldungen zu vermuteten Nebenwirkungen – eine Liste von Medikamenten zusammengestellt, bei denen ein Zusammenhang mit Schlafstörungen anzunehmen ist. Die Liste umfasst 87 Substanzen aus verschiedenartigen therapeutischen Gruppen. Einige der erwähnten Medikamente werden in der Regel nur vorübergehend verordnet (z.B. Chinolone, Erkältungsmittel), so dass eine Beeinträchtigung des Schlafs nicht als gravierend einzuschätzen wäre; mehr Grund zu Besorgnis liefern negative Auswirkungen auf den Schlaf von langfristig verabreichten Medikamenten wie Stimulantien oder Antidepressiva.

Artikel aus der ISMP-Publikation «QuarterWatch»: 87 Drugs with Signals for Insomnia

Aktuelle Metaanalyse zu medikamentenbedingten Schlafstörungen aus «Mayo Clinic Proceedings»: Insomnia from Drug Treatments


 

Testosteron-Substitution verbessert das Gedächtnis nicht

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 22. Februar 2017

In einer Doppelblindstudie wurden 492 Männer im Alter von über 65 Jahren, bei denen sowohl ein klinisch manifester Testosteron-Mangel als auch eine Beeinträchtigung von Gedächtnisfunktionen bestanden, mit transdermalem Testosteron oder mit Placebo behandelt; die Testosteron-Dosis betrug zu Beginn 5 g/Tag und wurde dann gemäss dem erreichten Testosteron-Spiegel angepasst. Nach einem Jahr liess sich in der Testosteron-Gruppe keine signifikante Verbesserung des Gedächtnis oder anderer kognitiver Funktionen feststellen.

Volltext der Studie aus dem JAMA: Testosterone Treatment and Cognitive Function in Older Men With Low Testosterone and Age-Associated Memory Impairment

 

Neurokognitive Störungen durch PCSK9-Hemmer?

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 23. Februar 2017

PCSK9-Hemmer, vertreten durch Alirocumab (Praluent®) und Evolocumab (Repatha®), sind neue lipidsenkende Medikamente. Es gibt Vermutungen, dass eine starke Senkung des LDL-Cholesterins das Risiko von neurokognitiven Störungen erhöhe. Diese Hypothese wurde in einer Metaanalyse überprüft, in der man diejenigen klinischen Studien zu Alirocumab und Evolocumab einbezog, die mindestens ein halbes Jahr gedauert hatten. Wenn man die Gesamtheit dieser Studien betrachtete, traten neurokognitive Probleme unter PCSK9-Hemmern nicht gehäuft auf; fasste man jedoch nur die beiden grossen «Outcome»-Studien zusammen, die rund zwei Drittel der Patientendaten lieferten, ergab sich ein signifikant erhöhtes Risiko für neurokognitive Störungen (OR 2,81; 95% CI 1,32−5,99).

Volltext der Metaanalyse aus «Circulation: Cardiovascular Quality and Outcomes»: Increased Risk of Adverse Neurocognitive Outcomes With Proprotein Convertase Subtilisin-Kexin Type 9 Inhibitors 

«pharma-kritik»-Text zu den PCSK9-Hemmern (nur mit Abonnement/Passwort zugänglich): Alirocumab & Evolocumab

 
Februar 2017
Copyright © 2020 Infomed-Verlags-AG

pharma-kritik abonnieren

infomed-screen abonnieren

100 wichtige Medikamente

mailingliste abonnieren

Ressourcen Links
Bad Drug News index
pharma-kritik abonnemente
infomed-screen abonnemente
pharma-kritik neu im web
aktueller pharma-kritik jahrgang