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 bad drug news

Januar 2017

Delirbehandlung: Neuroleptika schlechter als Placebo

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 3. Januar 2017

In einer Doppelblindstudie wurde untersucht, ob Risperidon (Risperdal® u.a.) oder Haloperidol (Haldol®) Symptome eines Delirs besser lindern als Placebo. Das Studienkollektiv bestand aus 247 Patienten und Patientinnen, die, an einer unheilbaren Erkrankung leidend, einer Palliativbetreuung bedurften und bei denen sich ein Delir entwickelt hatte. Die Dosis von Risperidon und Haloperidol betrug anfänglich 2-mal 0,5 mg/Tag; je nach Symptomen konnte sie bis auf 4 mg/Tag erhöht werden. Auch auf nicht-medikamentöse Massnahmen einer Delirbehandlung wurde geachtet (genügende Hydrierung, Tragen von Seh- und Hörhilfen, Anwesenheit von Angehörigen). Nach drei Tagen waren die Delirsymptome unter Placebo signifikant stärker zurückgegangen als unter Risperidon oder Haloperidol. Auch die Überlebenswahrscheinlichkeit lag bei Placebo höher als bei den beiden Neuroleptika.

Kurzform der Studie aus dem «JAMA Internal Medicine»: Efficacy of Oral Risperidone, Haloperidol, or Placebo for Symptoms of Delirium Among Patients in Palliative Care

 

Überbrückendes Heparin bei Beginn einer oralen Antikoagulation: ungünstiges Nutzen/Risiko-Verhältnis

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 10. Januar 2017

In einer retrospektiven Kohortenstudie untersuchte man rund 90’000 Personen, bei denen wegen Vorhofflimmerns eine orale Antikoagulation erforderlich geworden war. Man verglich die Individuen, bei denen zu Beginn der oralen Antikoagulation zur Überbrückung zusätzlich ein Heparin oder Fondaparinux (Arixtra®) verschrieben worden war, mit denjenigen, bei denen kein solches «Bridging» stattgefunden hatte. Relevante Blutungen waren in der «Bridging»-Gruppe signifikant häufiger auftreten als in der Kontrollgruppe (4,7 gegenüber 3,0‰). Bei den Ereignissen, die durch die Antikoagulation verhütet werden sollen – ischämisch bedingte Schlaganfälle, systemische Embolien –, fand sich dagegen kein signifikanter Unterschied.

Volltext der Studie aus dem «Journal of the American Heart Association»: Short-€Term Risk of Bleeding During Heparin Bridging at Initiation of Vitamin K Antagonist Therapy in More Than 90’000 Patients With Nonvalvular Atrial Fibrillation Managed in Outpatient Care

«infomed-screen»-Text zum Thema (nur mit Abonnement/Passwort zugänglich): Nutzen einer periinterventionellen Heparinisierung fraglich

 

Amitriptylin (Saroten® Retard) und Topiramat (Topamax® u.a.) haben keinen Effekt bei Migräne im Kindesalter

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 12. Januar 2017

In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie wurde untersucht, ob Amitriptylin (1 mg/kg/Tag) oder Topiramat (2 mg/kg/Tag) im Kindesalter auftretende Migräneanfälle zu verhüten helfen. Nach 24-wöchiger Behandlungsdauer betrug der Anteil der Kinder, bei denen sich die Häufigkeit von Kopfschmerzen um mindestens 50% gesenkt hatte (der primäre Endpunkt), in der Amitriptylin-Gruppe 52%, in der Topiramat-Gruppe 55% und in der Placebo-Gruppe 61%. Erwartungsgemäss wurden unter den beiden Medikamenten auch mehr Nebenwirkungen beobachtet als unter Placebo. Angesichts dieses negativen Ergebnisses wurde die Studie vorzeitig beendet, nachdem die Daten von 328 Kindern analysiert worden waren.

Kurzform der Studie aus dem «New England Journal of Medicine»: Trial of Amitriptyline, Topiramate, and Placebo for Pediatric Migraine

 

Protonenpumpenhemmer erhöhen auch Listeriose-Risiko

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 19. Januar 2017

Eine dänische Fall-Kontroll-Studie bestätigt Daten, wonach eine Behandlung mit Protonenpumpenhemmern auch das Risiko einer Listeriose erhöht: Bei Personen, bei denen man eine Listeriose diagnostiziert hatte (Fall-Gruppe), waren signifikant häufiger Protonenpumpenhemmer verschrieben als bei Personen ohne Listeriose (Kontroll-Gruppe); die «Odds Ratio» betrug 2,8 (95% CI 2,1–3,7).

Kurzform der Studie aus «Clinical Infectious Diseases»: Use of proton pump inhibitors and the risk of listeriosis

 

Keine Diätkuren mit HCG

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 20. Januar 2017

Die kanadische Arzneimittelbehörde warnt vor Abnehmdiäten, die mit Hilfe von humanem Choriongonadotropin (HCG) durchgeführt werden. (Die sog. HCG-Diät wird, wie man im Internet schnell fündig wird, auch in der Schweiz angeboten.) HCG (Pregnyl® u.a.) ist verschreibungspflichtig und als Medikament zur Ovulationsinduktion und zur Hypogonadismus-Behandlung beim Mann zugelassen. Die Anwendung zur Unterstützung einer Gewichtsreduktion ist ohne wissenschaftliche Evidenz und deshalb strikt abzulehnen – umso mehr als mit einer HCG-Behandlung nicht unerhebliche Nebenwirkungsrisiken in Kauf genommen werden wie zum Beispiel Blutgerinnsel, Depressionen, Überstimulation der Ovarien, Flüssigkeitsretention und Gynäkomastie.

Mitteilung von «Health Canada»: Health Canada advises that the drug hCG is not authorized or proven effective for weight loss

 

Interaktion zwischen Hepatitis-C-Medikamenten und Vitamin‑K‑Antagonisten

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 24. Januar 2017

Eine Behandlung mit direkt wirkenden antiviralen Hepatitis-C-Medikamenten kann die Leberfunktion sekundär so beeinflussen, dass mit veränderten INR-Werten zu rechnen ist, wenn gleichzeitig Antikoagulantien vom Typ der Vitamin-K-Antagonisten verabreicht werden. Gerinnungskontrollen sollten deshalb in dieser Situation vermehrt durchgeführt werden.

Mitteilung der britischen Arzneimittelbehörde: Direct-acting antivirals to treat chronic hepatitis C: risk of interaction with vitamin K antagonists and changes in INR

 

Neue Nebenwirkungs-Datenbank

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 30. Januar 2017

Die dänische Arzneimittelbehörde bietet seit Kurzem eine interaktive Datenbank an, in der sich zu jedem Wirkstoff abrufen lässt, welche vermuteten Nebenwirkungen in den letzten Jahrzehnten in Dänemark gemeldet worden sind.

Link zur Datenbank der «Danish Medicines Agency»: Interactive Adverse Drug Reaction overviews

 
Januar 2017
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