bad drug news

März 2016

Vergoldeter Abfall

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 2. März 2016

Medikamente, wie man sie typischerweise in der Krebsbehandlung einsetzt, werden meistens nach Gewicht oder Körperoberfläche dosiert – wobei gemäss einer Analyse aus dem BMJ die benötigte Menge praktisch nie mit den Dosen übereinstimmt, die in den Ampullen oder Infusionsfläschchen angeboten werden. Dies führt dazu, dass oft eine nicht unerhebliche Menge des Medikaments nicht gebraucht und in der Regel weggeworfen wird. Extremes Beispiel ist Bortezomib (Velcade®), das in den USA im Gegensatz zu anderen Ländern nur in 3,5-mg-Fläschchen erhältlich ist; die typische Durchschnittsdosis beträgt 2,2 mg, so dass jedesmal 1,3 mg verlorengehen. In den USA werden damit für Bortezomib schätzungsweise 130 Millionen US$ an zusätzlichen Kosten generiert; für alle Krebsmedikamente zusammen sind es rund 1,8 Milliarden US$.
Herstellerfirmen müssten deshalb in die Pflicht genommen werden, entweder dass sie Dosen zur Verfügung stellten, die der Realität besser gerecht werden, oder dass sie Hand böten, die nicht benötigte Menge rückzuvergüten.

Volltext der Analyse aus dem BMJ: Overspending driven by oversized single dose vials of cancer drugs

 

Überempfindlichkeitsreaktionen durch Benzoylperoxid und Salicylsäure

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 7. März 2016

Benzoylperoxid und Salicylsäure dienen zur Lokalbehandlung der Akne und finden sich nicht nur in medizinischen Produkten, sondern auch in Kosmetika. Ihre Anwendung kann zu einer Hauttrockenheit oder ‑irritation führen. Gemäss einer Mitteilung der kanadischen Arzneimittelbehörde können durch die beiden Aknemittel in seltenen Fällen aber auch systemische und potentiell lebensbedrohliche Überempfindlichkeits- oder anaphylaktische Reaktionen hervorgerufen werden.

Mitteilung von «Health Canada»: Over-the-counter topical acne products containing either BENZOYL PEROXIDE or SALICYLIC ACID – Assessing the potential risk of serious allergic reactions (serious hypersensitivity reactions)

Kurzübersicht zur Aknebehandlung: Drug treatment of acne


 

Auch Fingolimod (Gylenia®) hilft nicht bei primär progredienter MS

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 15. März 2016

823 Patienten und Patientinnen, die an einer primär progredienten multiplen Sklerose (MS) litten, erhielten in einer Doppelblindstudie mindestens drei Jahre lang Fingolimod (0,5 mg/Tag) oder Placebo. Als primären Endpunkt untersuchte man, ob sich der Behinderungsgrad durch Fingolimod in seinem Fortschreiten bremsen liesse. Dies war indessen nicht der Fall, indem sich zwischen den beiden Gruppen kein signifikanter Unterschied zeigte.

Kurzfassung der Studie aus dem «Lancet»: Oral fingolimod in primary progressive multiple sclerosis (INFORMS): a phase 3, randomised, double-blind, placebo-controlled trial

Frühere BDN-Texte: Kardiale Toxizität von Fingolimod (Gilenya®) und Auch Fingolimod (Gilenya®) kann eine PML verursachen

 

Erhöhte Mortalität unter Idelalisib (Zydeliq®)

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 22. März 2016

Unter Idelalisib – einem Phosphatidylinositol-3-Kinase-Hemmer zur Behandlung der chronisch-lymphatischen Leukämie und anderer B-Zell-Tumoren – wurde eine erhöhte Rate schwerer, zum Teil tödlich verlaufener Atemwegsinfekte beobachtet; hauptsächliche Erreger waren Zytomegalieviren und Pneumocystis jirovecii (früher: carinii). Es ist deshalb ein «Dear Doctor Letter» publiziert worden, der über die nötigen Schritte und Vorsichtsmassnahmen informiert. Ferner sind mehrere klinische Studien mit Idelalisib gestoppt worden.

Schweizerischer «Dear Doctor Letter» und Mitteilung von «Health Canada»: Einschränkungen für die Anwendung von Zydelig® (Idelalisib) zur Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) und des rezidivierten follikulären Lymphoms (FL) aufgrund neuer Erkenntnisse aus klinischen Studien und International clinical trials, including trials in Canada, are being stopped due to serious adverse events with the drug Zydelig, in combination with other cancer drugs

Übersicht zu Idelalisib: Idelalisib: The First-in-Class Phosphatidylinositol 3-Kinase Inhibitor for Relapsed CLL, SLL, and Indolent NHL

 

Dimenhydrinat und Diphenhydramin: Missbrauch möglich

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 24. März 2016

Dimenhydrinat und Diphenhydramin sind zwei ältere Antihistaminika mit stark sedierenden und mit anticholinergen Eigenschaften, die vor allem noch gegen Reisekrankheit, Schwindel, als Schlafmittel und in Kombinationsprodukten gegen Erkältungen eingesetzt werden. Wie die französische Arzneimittelbehörde meldet, hat man hauptsächlich Jugendliche und junge Erwachsene beobachtet, die mit solchen Präparaten einen Missbrauch betrieben haben. Zum Teil sind auch Entzugserscheinungen, Zeichen eines anticholinergen Syndroms, neurologische und kardiale Nebenwirkungen vorgekommen. Deshalb sind für die angeschuldigten Medikamente in Frankreich die Abgabebedingungen verschärft worden.
Beispiele für ähnliche, rezeptfrei erhältliche Schweizer Produkte sind für Dimenhydrinat Tesero Voyage® und Trawell® sowie für Diphenhydramin Benocten®, Bonox®, Dormyl®, Nardyl Schlaf®, Rhinitin® retard und Tossamin® plus.

Mitteilung der französischen Arzneimittelbehörde: Mercalm, Nausicalm (diménhydrinate), Nautamine (diphénhydramine): Risque d€’abus et d’€™usage détourné

 

Blutdruckkrisen unter Mirabegron (Betmiga®)

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 29. März 2016

Mirabegron – ein Beta-3-Rezeptoragonist zur Behandlung von Reizblasen-Beschwerden – kann, wie bereits bei Markteinführung bekannt, den Blutdruck erhöhen. Unterdessen sind auch Fälle von hypertensiven Krisen beschrieben, teilweise in Verbindung mit zerebrovaskulären oder kardialen Ereignissen, die in klarem zeitlichem Zusammenhang mit der Mirabegron-Einnahme stehen.
Mirabegron sollte deshalb bei Personen mit einer nicht optimal eingestellten Hypertonie nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden. Bei Blutdruckwerten von mehr als 180 mmHg systolisch und/oder 110 mmHg diastolisch gilt Mirabegron neu als kontraindiziert.

Mitteilung der britischen Arzneimittelbehörde: Mirabegron (Betmiga®): risk of severe hypertension and associated cerebrovascular and cardiac events

Früherer BDN-Text zu Mirabegron: Vertrieb von Mirabegron (Betmiga®) in Deutschland eingestellt

 
März 2016
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