bad drug news

Dezember 2008

Colchicin: Vorsicht bei Älteren, eingeschränkter Organfunktion und in Kombination mit CYP3A4-Hemmern

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 8. Dezember 2008

(UPM) In der letzten Ausgabe des "Australian Adverse Drug Reactions Bulletin" wird wieder einmal auf die Risiken einer Behandlung eines akuten Gichtanfalls mit Colchicin hingewiesen. Da die therapeutische Breite von Colchicin gering ist, können rasch schwere, lebensbedrohliche Vergiftungen mit Blutzellverminderung, Multiorganversagen und seltener Myopathie bzw. Rhabdomyolyse entstehen. Zu beachten ist dies vor allem bei älteren Leuten sowie bei Personen mit Nieren- oder Leberinsuffizienz. Da Colchicin hauptsächlich über CYP3A4 abgebaut wird, können auch CYP3A4-Hemmer zu Colchicin-Intoxikationen führen. Es sind mehrere Fälle bekannt, in denen zum Beispiel der CYP3A4-Hemmer Clarithromycin (Klacid® u.a.) als eine tödliche Colchicin-Vergiftung hervorgerufen hat.

Bericht aus dem "Australian Adverse Drug Reactions Bulletin":
http://www.tga.gov.au/adr/aadrb/aadr0810.htm#a1

"pharma-kritik"-Nummer zur Gicht (nur mit Abonnement/Passwort zugänglich):
http://www.infomed.org/pharma-kritik/abo/pk13a-06.html

 

Nitroglycerin-Gabe hat keine Aussagekraft, ob eine koronare Herzkrankheit vorliegt

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 19. Dezember 2008

Eine in den «Annals of Internal Medicine» publizierte Studie zeigt, dass sich Nitroglycerin nicht eignet, um eine koronare Herzkrankheit zu diagnostizieren: Über 400 Personen, die wegen Brustschmerzen eine Notfallstation aufgesucht hatten, erhielten ein oder zwei Dosen Nitroglycerin zu 0,4 mg (Kapseln oder Spray). Eine Schmerzabnahme um mindestens 50% auf einer 10-Punkte-Skala galt als Ansprechen auf Nitroglycerin. In derjenigen Gruppe, in der Anamnese oder weitere Abklärungen eine koronare Herzkrankheit als wahrscheinlichste Ursache für den Brustschmerz geliefert hatten, half Nitroglycerin in 35% der Fälle. Bei den anderen Personen, die nicht an einer koronaren Herzkrankheit litten, reagierten dagegen 41% auf die Nitroglycerin-Gabe. Das Ergebnis wird damit erklärt, dass Nitroglycerin auch Spasmen im Ösophagus oder anderer glatter Muskulatur lindere bzw. bei wirklichen Koronarverschlüssen nicht wirken könne.

Abstract zur Studie:
http://www.annals.org/cgi/content/abstract/139/12/979

 
Dezember 2008
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