bad drug news

April 2007

Chondroitinsulfat (Condrosulf®, Structum®) kaum wirksam bei Knie- und Hüftarthrose

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 26. April 2007

In einer Metaanalyse wurden die randomisierten Studien zusammengestellt (die meisten doppelblind durchgeführt), in denen Chondroitinsulfat bei Knie- oder Hüftarthrose geprüft worden war. Insgesamt führte Chondroitinsulfat zu einer stärkeren Schmerzabnahme als Placebo, und zwar in einem Ausmass, das 1,6 cm auf einer 10 cm messenden Analogskala entspricht. Dieser Unterschied beruht indessen vor allem auf den älteren Studien; nimmt man allein die neueren, qualitativ besseren Studien, ergibt sich für Chondroitinsulfat kein oder höchstens ein marginaler Vorteil. In einigen Studien war auch der Einfluss auf die Gelenkspaltverschmälerung untersucht worden, wobei Chondroitinsulfat auch hier eine nur geringgradig bessere Wirkung als Placebo zeigte (mit einer durchschnittlichen Differenz in der Grössenordnung von 0,2 mm). Metaanalyse aus "Annals of Internal Medicine":
http://www.annals.org/cgi/content/full/146/8/580

 

Erhöhtes Frakturrisiko unter Rosiglitaon (Avandia®) und Pioglitazon (Actos®)

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 18. April 2007

In der kürzlich veröffentlichten ADOPT-Studie ("A Diabetes Outcome and Progression Trial") hatte man über mehrere Jahre die Blutzuckerkontrolle unter verschiedenen oralen Antidiabetika untersucht. Wie Arzneimittelbehörden mitteilen, hat eine zusätzliche Nebenwirkungsanalyse nun ergeben, dass unter Rosiglitazon häufiger Frakturen aufgetreten waren als unter den beiden Vergleichssubstanzen Metformin (Glucophage® u.a.) und Glibenclamid (Daonil® u.a.), wobei sich dieser Unterschied nur bei Frauen fand (mit einer Frakturinzidenz – pro 100 Personenjahre – von 2,7 bei Rosiglitazon, 1,5 bei Metformin und 1,3 bei Glibenclamid).

Auch bei Pioglitazon zählte man, nachdem man die klinischen Studien überprüft und zusammengefasst hatte, bei Frauen mehr Frakturen als in den Kontrollgruppen.

Der Grund, weshalb Glitazone das Frakturrisiko beeinflussen könnten, ist nicht klar.

Amerikanische "Dear Doctor Letters" zu Rosiglitazon und Pioglitazon:
http://www.fda.gov/medwatch/safety/2007/Avandia_GSK_Ltr.pdf
http://www.fda.gov/medwatch/safety/2007/Actosmar0807.pdf

Abstract der ADOPT-Studie:
http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/355/23/2427

"pharma-kritik"-Texte zu Rosiglitazon und Pioglitazon:
http://www.infomed.org/pharma-kritik/pk09a-99.html
http://www.infomed.org/pharma-kritik/pk17a-00.html

Frühere BDN-Texte zu Glitazonen:
http://www.infomed.org/bad-drug-news/bdn55.html
http://www.infomed.org/bad-drug-news/bdn187.html

 

Zwei Marktrückzüge in den USA: Pergolid (Permax®) und Tegaserod (Zelmac®)

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 1. April 2007

Die amerikanische FDA hat in den letzten Tagen gerade zwei Marktrückzüge angekündigt: der eine betrifft Pergolid, einen Dopaminagonisten, der zur Parkinsonbehandlung zugelassen ist, der andere Tegaserod, das beim Reizdarmsyndrom verwendet wird.
Bei Pergolid beruht der Entscheid auf den Ergebnissen von zwei Studien, anfangs Jahr im "New England Journal of Medicine" publiziert, welche die seit längerem bestehende Vermutung bestätigt haben, dass ergotaminartige Dopaminagonisten wie Pergolid oder Cabergolin (Cabaser®) das Risiko von Herzklappenerkrankungen erhöhen (worauf in dieser Rubrik auch schon hingewiesen worden war).
Im Falle vonTegaserod hatte eine aktualisierte Analyse der durchgeführten Studien ergeben, dass bei dieser Substanz das Risiko für Koronareignisse und Schlaganfälle – obschon insgesamt nur relativ wenige Fälle gezählt wurden – gegenüber Placebo deutlich erhöht ist.

FDA-Mitteilungen:
http://www.fda.gov/cder/drug/advisory/pergolide.htm
http://www.fda.gov/cder/drug/advisory/tegaserod.htm

Abstracts der beiden erwähnten Studien aus dem "New England Journal of Medicine":
http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/356/1/29
http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/356/1/39

Früherer BDN-Text zu Pergolid:
http://www.infomed.org/bad-drug-news/bdn81.html

"pharma-kritik"-Nummer und früherer BDN-Text zu Tegaserod:
http://www.infomed.org/pharma-kritik/pk18b-01.html
http://www.infomed.org/bad-drug-news/bdn129.html

 
April 2007
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