bad drug news

April 2006

Methylphenidat (Ritalin® u.a.) und kardiovaskuläre Risiken

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 27. April 2006

Methylphenidat und andere Stimulantien, die unter anderem bei Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität eingesetzt werden, sollen gemäss einem Expertenkomitee der amerikanischen FDA mit einer speziellen Warnung versehen werden, die auf die kardiovaskulären Risiken hinweist. Infolge ihrer sympathomimetischen Wirkung erhöhen Stimulantien Herzfrequenz und Blutdruck, was sehr wahrscheinlich das Risiko von Herzinfarkten, Schlaganfällen und plötzlichen Todesfällen erhöht. In der Nebenwirkungsdatenbank der FDA finden sich zum Beispiel mehrere Meldungen zu plötzlichen Todesfällen unter Methylphenidat; sie betrafen sowohl Kinder wie Erwachsene, wobei zum Teil vorbestehende, erst bei der Autopsie diagnostizierte Herzleiden bestanden hatten.

Artikel zu den kardiovaskulären Risiken von Stimulantien aus dem "New England Journal of Medicine":
http://content.nejm.org/cgi/content/full/354/14/1445

 

Sägepalmen-Extrakt hilft nicht bei benigner Prostatahyperplasie

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 17. April 2006

Extrakte der Sägepalme (Serenoa repens) sollen bei benigner Prostatahyperplasie wirksam sein. Eine neue Studie – die unter den bisher zu diesem Thema veröffentlichten als aussagekräftigste zu betrachten ist – führt zum Schluss, dass dieser Anspruch nicht gerechtfertigt ist: 225 Männer mit Prostatahyperplasie, die auf einer von 0 bis 35 Punkten reichenden Symptomenskala durchschnittlich 15 Punkte erreichten, erhielten doppelblind ein Präparat mit Sägepalmen-Extrakt oder Placebo. Nach einem Jahr hatten sich die Beschwerden in beiden Gruppen im selben Mass vermindert, nämlich um marginale 0,7 Punkte (als klinisch relevant gilt eine Änderung von mindestens 3 Punkten). Auch in Bezug auf die maximale Harnflussrate ergab sich in den beiden Gruppen kein signifikanter Unterschied bzw. keine nennenswerte Besserung. Abstract der Studie aus dem "New England Journal of Medicine":
http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/354/6/557

 

Auch unter Celecoxib (Celebrex®) erhöhtes Herzinfarktrisiko

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 5. April 2006

Vor allem die Herstellerfirma von Celecoxib bemüht sich zu betonen, dass dieser COX 2-Hemmer anders als beispielsweise das zurückgezogene Rofecoxib (Vioxx®) nicht mit einem erhöhten Risiko kardiovaskulärer Nebenwirkungen behaftet ist. Gemäss einer soeben publizierten Metaanalyse kommen aber wahrscheinlich auch bei Celecoxib vermehrt kardiale Nebenwirkungen vor. Für diese Metaanalyse wurden die 6 wichtigsten bzw. aussagekräftigsten Studien zusammengefasst, in denen man Celecoxib (200 bis 800 mg/Tag) bei verschiedenen Indikationen mit Placebo oder anderen Schmerzmitteln verglichen hatte. Es zeigte sich, dass Celecoxib-Behandelte signifikant häufiger Herzinfarkte erlitten hatten (mit einer «Odds Ratio» von ungefähr 2); bei den anderen Endpunkten (zerebrovaskuläre Ereignisse, kardiovaskuläre Todesfälle und Zusammenfassung aller kardiovaskulären Ereignisse) fand sich zwischen Celecoxib und den Vergleichsgruppen kein Unterschied. Volltext der Metaanalyse aus dem "Journal of the Royal Society of Medicine":
http://www.jrsm.org/cgi/content/full/99/3/132

 
April 2006
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