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 bad drug news

Mai 2004

Nutzen von regelmässiger Betamimetika-Inhalation bei Asthma in Frage gestellt

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 28. Mai 2004

Eine Metaanalyse lässt daran zweifeln, ob eine regelmässige Inhalation von Betamimetika bei Asthma hilft, und zwar betrifft dies sowohl kurzwirkende Substanzen wie Salbutamol (Ventolin® u.a.) als auch langwirkende wie Formoterol (Foradil®, Oxis®). Im Vergleich mit Placebo wurde durch eine 1- bis 6-wöchige Betamimetikatherapie die Erstsekundenkapazität (FEV1) nicht verbessert. Liess man im Anschluss an einen solchen Behandlungszyklus ein Betamimetikum inhalieren, war die Bronchodilation in der Betamimetika-Gruppe – auch nach Provokation z.B. mit Methacholin – signifikant schlechter. Zudem wiesen Personen in der Betamimetikum-Gruppe in vitro eine geringere Dichte an ß-Rezeptoren ("Downregulation") sowie geringere ß-Rezeptoren-Bindungsaffinität auf. Dies bestätigt, dass sich gegenüber Betamimetika offenbar schon innerhalb kurzer Zeit eine Toleranz (Tachyphylaxie) entwickeln kann.

Abstract der Metaanalyse aus "Annals of Internal Medicine":
http://www.annals.org/cgi/content/abstract/140/10/802

Früherer BDN-Text zu Formoterol:
http://www.infomed.org/bad-drug-news/bdn101.html

 

Trazodon (Trittico®): Dosis anpassen in Kombination mit CYP3A4-Hemmern und -Induktoren

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 21. Mai 2004

Beim Abbau von Trazodon, einem älteren, nicht-trizyklischen Antidepressivum, spielt CYP3A4 eine grosse Rolle. Weil sich daraus Interakionen ergeben können, die eine Dosisanpassung von Trazodon erfordern, wird in den USA die Packungsbeilage aktualisiert. So wurde beobachtet, dass Ritonavir (Norvir®), ein starker CYP3A4-Hemmer, die Clearance von Trazodon etwa halbiert, was mit vermehrten Tradozon-Nebenwirkungen verbunden war (Übelkeit, Hypotonie, Synkope). Dagegen führt eine CYP3A4-Induktion, zum Beispiel durch Carbamazepin (Tegretol® u.a.), zu einer ausgeprägten Abnahme der Trazodon-Plasmaspiegel.

Amerikanischer "Dear Doctor Letter":
http://www.fda.gov/medwatch/SAFETY/2004/Desyrel_DHCP.pdf

Wenn Sie mehr über Zytochrome und ihre Bedeutung für Arzneimittelinteraktionen wissen möchten, bestellen Sie hier unsere Broschüre mit den handlichen Übersichtstabellen.

 

Nutzen von Lactulose (Duphalac® u.a.) und Lactitol (Importal®) bei hepatischer Enzephalopathie wird überschätzt

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 14. Mai 2004

Nicht resorbierbare Disaccharide wie Lactulose oder Lactitol gelten als Mittel der Wahl bei hepatischer Enzephalopathie. Eine systematische Übersicht stellt jedoch ihre Rolle als Standardmedikamente in Frage. In den Vergleichen mit Placebo beträgt der Anteil Personen, bei denen sich die hepatische Enzephalopathie besserte, bei Disacchariden 59% und bei Placebo 31%; beschränkt man sich auf die qualitativ guten Studien, schrumpft aber der Unterschied massiv (65% vs. 62%). In den Vergleichen mit wenig resorbierbaren Antibiotika waren es unter Disacchariden 62%, unter Antibiotika 71%, denen die Behandlung half. In Bezug auf die Mortalität fand man zwischen Disacchariden und Placebo bzw. zwischen Disacchariden und Antibiotika ebenfalls keine signifikanten Unterschiede.

Systematische Übersicht aus dem "British Medical Journal":
http://bmj.bmjjournals.com/cgi/content/full/328/7447/1046

 

Protonenpumpenhemmer dienen schlecht für die Diagnose einer gastroösophagealen Refluxkrankheit

Verfasst von: Urspeter Masche
Datum: 7. Mai 2004

Bei Personen, die über Sodbrennen oder andere Refluxbeschwerden klagen, wird häufig eine empirische Therapie mit einem Protonenpumpenhemmer wie zum Beispiel Omeprazol (Antramups® u.a.) eingeleitet. Spricht die betroffene Person darauf an, wird dies gerne als Bestätigung der Diagnose einer gastroösophagealen Refluxkrankheit betrachtet. Wie eine systematische Übersicht indessen zeigt, ist dieser "Protonenpumpenhemmer-Test" wenig geeignet: er hat lediglich eine Sensitivität von 78% und eine Spezifität von 54%, wenn man die 24-stündige pH-Messung als Referenzmethode nimmt. Bei einem positiven "Protonenpumpenhemmer-Test" beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass eine pH-Messung negativ ist und sich die Verdachtsdiagnose somit nicht objektivieren lässt, 37%; bei negativem "Protonenpumpenhemmer-Test" ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerden dennoch durch eine gastroösophageale Refluxkrankheit bedingt sind, 71%. Abstract zur Studie:
http://www.annals.org/cgi/content/abstract/140/7/518

 
Mai 2004
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